Hosterneuerung: ersetzen statt nachpflegen
Jegliche Anpassungen — Dateien, Registry-Schlüssel oder Zertifikate —, die manuell auf Session Hosts hinzugefügt wurden, sind nach einer Erneuerung nicht mehr vorhanden. Und einzeln erneuern lässt sich kein Host. Wer das erst hinterher liest, hat gerade das Zertifikat verloren, das die Fachanwendung braucht. Dieses Modul behandelt die Hosterneuerung als das, was sie ist: ein Ersetzen von Maschinen. Warum die erste Maschine allein vorausgeht und was das für die verbleibende Kapazität bedeutet, warum Computerobjekte im Active Directory absichtlich stehen bleiben und die neue Maschine sie erbt, warum Autoscale vorher abgeschaltet gehört, und welche zwei Fallen keinen Fehler erzeugen, sondern Stille — eine davon kostet die halbe Überwachung.
Lehrtext · 12 Abschnitte · zuletzt geprüft: 2026-09-12
Hosts sind Verbrauchsmaterial
In einem gepoolten Host Pool ist ein Session Host kein Server, den man über Jahre pflegt, sondern eine Instanz eines Abbilds. Die Dokumentation sagt das für gepoolte Pools ausdrücklich: Sie werden aktualisiert, indem Hosts aus aktualisierten Abbildern neu bereitgestellt werden, statt Aktualisierungen einzeln auf jede laufende Maschine zu verteilen.
Der Unterschied ist nicht theoretisch. Wer zwanzig Hosts einzeln patcht, hat nach einem Jahr zwanzig verschiedene Zustände und kein Dokument, das beschreibt, worauf eine Nutzerin gerade arbeitet. Wer sie ersetzt, hat genau so viele Zustände wie Abbildversionen — und kann jeden davon benennen.
Zustandsdrift — Das Auseinanderlaufen von Maschinen, die einmal gleich waren. Sie entsteht durch einzeln installierte Aktualisierungen, manuelle Eingriffe und fehlgeschlagene Verteilungen — und sie ist der Grund, warum ein Fehler auf drei von zwanzig Hosts auftritt und auf den übrigen nicht.
Woher das Abbild kommt
Für Session Hosts kommen drei Quellen in Frage, und die Wahl bestimmt, wie gut sich Versionen später auseinanderhalten lassen.
- Azure Marketplace
- Von Microsoft bereitgestellte Betriebssystemabbilder. Einfach, aber ohne eigene Anwendungen.
- Azure Compute Gallery
- Eigene Abbilder mit Versionen und Replikation. Der Ort für ein Abbild, das mehr trägt als das nackte Betriebssystem.
- Managed Image
- Ein einzelnes, eigenes Abbild ohne Versionsverwaltung.
Zwei dokumentierte Einschränkungen gehören in die Planung: Ein Compute-Gallery-Abbild in einem anderen Abonnement als der Host Pool wird derzeit nicht unterstützt, und bei Abbildern mit hinterlegtem Kaufplan bleibt dieser Plan nach einer Erneuerung nicht erhalten.
Was bei einer Erneuerung tatsächlich passiert
Das ist der dokumentierte Ablauf der Session Host Update-Funktion, die für Host Pools mit dem Managementansatz *Session Host Configuration* zur Verfügung steht. Sie hebt die vorhandenen Maschinen auf oder löscht sie und erzeugt neue mit der aktualisierten Konfiguration.
- Änderbar sind dabei nicht nur das Abbild, sondern auch VM-Größe, Plattentyp, Sicherheitstyp, Domänenbeitritt, Intune-Registrierung, lokale Administratoranmeldedaten und ein eigenes Konfigurationsskript.
- Erhalten bleiben Verfügbarkeitskonfiguration, Netzkonfiguration und Standort der Hosts.
- Die Größe der Betriebssystemplatte lässt sich während einer Erneuerung nicht ändern — der Dienst übernimmt die Größe aus dem Gallery-Abbild.
- Je Host Pool läuft oder wartet immer nur eine Erneuerung. Mehrere Pools gleichzeitig sind möglich.
Die erste Maschine geht allein
Hier steckt der Teil des Verfahrens, den man kennen muss, um eine Erneuerung zeitlich zu planen — und der zugleich der beste Schutz vor einem fehlerhaften Abbild ist.
Die Batchgröße legt fest, wie viele Hosts gleichzeitig erneuert werden; sie ist damit zugleich die Höchstzahl gleichzeitig nicht verfügbarer Hosts. Zu Beginn wird jedoch genau ein Host erneuert — die *initial* —, um zu prüfen, ob der gesamte Vorgang von Anfang bis Ende gelingt, bevor der Rest folgt.
Zehn Hosts, Batchgröße drei
Szenario
Ein Pool mit zehn Session Hosts soll auf eine neue Abbildversion gehoben werden. Als Batchgröße sind drei eingetragen. Gefragt ist, wie viele Hosts währenddessen mindestens zur Verfügung stehen.
Anforderungen
- Die Rechnung muss den Sonderfall des ersten Hosts berücksichtigen.
- Das Ergebnis dient der Frage, ob die Erneuerung im laufenden Betrieb vertretbar ist.
Schritte
- Zuerst wird ein einzelner Host erneuert — die *initial*. Währenddessen sind neun Hosts verfügbar.
- Ist sie erfolgreich, folgen die verbleibenden neun Hosts in drei Batches zu je drei.
- Während eines Batches sind drei Hosts nicht verfügbar, also sieben nutzbar.
- Nach Abschluss der *initial* stehen damit dauerhaft mindestens sieben Hosts zur Verfügung.
Merksatz: Die Batchgröße ist eine Aussage über die verbleibende Kapazität, nicht über die Geschwindigkeit. Wer sie erhöht, verkürzt die Erneuerung und senkt zugleich die Reserve, die während der Erneuerung trägt — und große Batches erzeugen laut Dokumentation gelegentlich Registrierungsfehler des Agenten, die einen erneuten Anlauf nötig machen.
0,00 % und springt dann auf 10 %. Das ist kein Hänger, sondern die Auflösung der Anzeige — wer daraufhin abbricht, bricht einen laufenden Vorgang ab.Was mit angemeldeten Nutzern geschieht
Eine Erneuerung schneidet Sitzungen nicht ohne Vorwarnung ab, aber sie beendet sie. Der Ablauf ist dokumentiert und vom Administrator parametriert.
- Angemeldete Nutzer erhalten eine vom Administrator festgelegte Benachrichtigung, die sie zum Ab- und Wiederanmelden auffordert.
- Nach einer ebenfalls festgelegten Wartezeit werden verbliebene Nutzer abgemeldet.
- Wer sich sofort wieder anmeldet, landet auf einem anderen Host des Pools und kann weiterarbeiten.
- Neue Verbindungen werden bevorzugt auf bereits erneuerte Hosts gelenkt.
Weil währenddessen weniger Hosts zur Verfügung stehen, gehört eine Erneuerung in ein Zeitfenster, das zur Arbeitsrealität passt. Der vorhandene Energiezustand und der Drain-Modus der Hosts werden respektiert — ein Pool, dessen Hosts zum Kostensparen vollständig abgeschaltet sind, lässt sich ebenfalls erneuern.
Was eine Erneuerung nicht überlebt
Dieser Abschnitt ist der teuerste des Moduls, wenn man ihn überspringt. Die Dokumentation formuliert ihn in einem Satz: Jegliche Anpassungen — Dateien, Registry-Schlüssel oder Zertifikate, die manuell auf Session Hosts hinzugefügt wurden — sind nach Abschluss der Erneuerung nicht mehr vorhanden.
Und es gibt keinen Ausweg über den Einzelfall: Hosts eines Pools lassen sich nicht einzeln erneuern. Wer eine Anpassung dauerhaft braucht, hat genau drei dokumentierte Orte dafür.
- Im Abbild
- Die Anpassung wandert in die nächste Abbildversion. Der sauberste Weg, mit dem längsten Vorlauf.
- Konfigurationsverwaltung
- Intune oder Gruppenrichtlinien setzen die Anpassung nach jeder Bereitstellung erneut.
- Konfigurationsskript
- Ein eigenes PowerShell-Skript, das Teil der Session Host Configuration ist und bei jeder Erzeugung läuft.
Kurzcheck
Ein Kollege hat auf allen Hosts ein Zertifikat für eine Fachanwendung manuell im Maschinenspeicher installiert. Was ist nach der nächsten Erneuerung damit?
- Es ist weg — manuelle Anpassungen überstehen die Erneuerung nicht.
- Es bleibt erhalten, weil das Computerobjekt im Verzeichnis bestehen bleibt.
- Es bleibt erhalten, solange die Betriebssystemplatte nicht verändert wird.
- Es wird beim Erneuern automatisch auf die neuen Hosts übertragen.
Treffer. Richtig. Die neuen Maschinen entstehen aus dem Abbild. Das Zertifikat gehört in das Abbild, in die Konfigurationsverwaltung oder in das Konfigurationsskript.
Die Nebenwirkung im Verzeichnis
Eine Erneuerung hinterlässt Spuren dort, wo man sie nicht sucht: im Active Directory. Das Verhalten ist gewollt und hat eine nützliche Folge — und eine, die man kennen muss.
Die Computerkonten domänengebundener Session Hosts werden bei der Entfernung nicht gelöscht. Für einen Moment stehen damit verwaiste Computerobjekte im Verzeichnis. Die neue Maschine tritt der Domäne unter dem ursprünglichen Hostnamen bei und erbt das verwaiste Objekt: Damit entsteht ihre Vertrauensstellung — und die der alten Maschine wird gebrochen.
Wird die Domäne gewechselt, bleiben die verwaisten Objekte in der alten Domäne zurück und müssen dort entfernt werden. Der Namensmechanismus der Azure-Ressourcen ist davon getrennt: VM, Betriebssystemplatte und Netzwerkkarte entstehen im Format SessionHostName-DateTime — aus VM1-0 wird etwa VM1-0-2023-04-15T17-16-07. Der Hostname des Betriebssystems ändert sich dabei nicht, und genau deshalb funktioniert das Erben des Computerobjekts.
Zwei Dinge, die vorher abgeschaltet gehören
Der zweite Punkt ist keine Einstellung, sondern eine Rechnung: Während der Erneuerung existieren alte und neue Maschinen gleichzeitig. Das Abonnement braucht in diesem Moment Kontingent für beide. Wer knapp an seinen Grenzen arbeitet, erhöht das Kontingent vorher — oder die Erneuerung bleibt mittendrin stehen.
Was still kaputtgeht
Zwei dokumentierte Fallen erzeugen keinen Fehler, sondern Stille. Beide fallen erst auf, wenn jemand etwas sucht, das nicht mehr da ist.
- Überwachung: Der Azure-Monitor-Agent wird auf erneuerten Session Hosts nicht automatisch installiert. Wer Azure Virtual Desktop Insights nutzt, verliert die erneuerten Hosts aus der Auswertung — ohne Fehlermeldung. Abhilfe: automatische Installation über Azure Policy oder manuelles Nachtragen.
- Abbilder aus laufenden Hosts: Wird ein Abbild von einem bestehenden Session Host erzeugt und anschließend als Quelle verwendet, muss vorher der Ordner
C:\packages\plugingelöscht werden. Andernfalls verhindert er, dass die DSC-Erweiterung läuft, die die neuen Maschinen dem Host Pool beitreten lässt.
Ohne Automatik: dieselbe Logik von Hand
Im Managementansatz *Standard* gibt es keine Session-Host-Update-Funktion. Der Ablauf bleibt derselbe, nur führt ihn niemand von selbst aus — und die einzelnen Schritte haben benennbare Werkzeuge.
Der Drain-Modus ist der Kern: Ein Host im Drain-Modus nimmt keine neuen Sitzungen an, neue Verbindungen gehen an den nächsten verfügbaren Host, und bestehende Verbindungen bleiben aktiv, bis der Nutzer sich abmeldet oder ein Administrator die Sitzung beendet. Gesetzt wird er über den Parameter AllowNewSession des Befehls Update-AzWvdSessionHost:
AllowNewSession = $Falsesperrt den Host für neue Sitzungen,$Truegibt ihn wieder frei.- Der Befehl gilt je Host — bei zwanzig Hosts läuft er zwanzigmal, üblicherweise aus einer Schleife.
- Nötig ist ein Konto mit der Rolle Desktop Virtualization Session Host Operator.
- Ein Administrator erreicht den Host weiterhin direkt per Remotedesktop, ohne über den Azure-Virtual-Desktop-Dienst zu gehen — Wartung ist also auch im Drain-Modus möglich.
Der Rest ist Handarbeit in fester Reihenfolge: Drain setzen, warten bis die Sitzungen enden, Host aus dem Pool entfernen, neuen Host aus der aktuellen Abbildversion erzeugen, aufnehmen, Drain aufheben. Genau diese Reihenfolge nimmt einem die Session-Host-Update-Funktion ab — samt der Vorsichtsmaßnahme, zuerst nur eine einzelne Maschine zu erneuern.
Abbildversionen als Rückweg
Weil eine Erneuerung Maschinen ersetzt, ist der Rückweg ebenfalls eine Erneuerung — auf die vorige Abbildversion. Das funktioniert nur, wenn diese Version noch existiert.
- Abbilder werden versioniert abgelegt, nicht überschrieben. Eine Version, die es nicht mehr gibt, ist kein Rückweg.
- Die aufzubewahrende Zahl von Versionen folgt der Frage, wie spät ein Fehler typischerweise auffällt — nicht einer runden Zahl.
- Der Rückweg kostet dieselbe Zeit wie der Hinweg: dieselben Batches, dieselben Abmeldungen, dieselbe reduzierte Kapazität.
- Was Nutzer in der Zwischenzeit erzeugt haben, bleibt erhalten — es liegt im Profilcontainer und nicht auf dem Host.
- Der Rückweg gehört geprobt, bevor er gebraucht wird: Eine Abbildversion, die sich noch nie als Quelle einer Erneuerung bewährt hat, ist eine Vermutung und kein Rückfall.
- Wer den Rückweg antritt, sollte den Grund festhalten — sonst wird dieselbe fehlerhafte Version beim nächsten Anlauf erneut freigegeben.
Vor der ersten Erneuerung eines Produktivpools
Die Dokumentation empfiehlt diesen Testlauf ausdrücklich — und nennt einen Grund, der leicht überlesen wird: Geprüft wird nicht nur der Vorgang selbst, sondern auch, wie die Umgebung darauf reagiert, dass eine neue Maschine mit demselben Namen wie die vorherige auftaucht. Überwachung, Bestandsverwaltung und Sicherheitswerkzeuge reagieren darauf unterschiedlich, und manche melden es als Vorfall.
Jetzt anwenden
Diesen Stoff gibt es als Modul mit bewerteten Entscheidungs-Checks — dieselbe Einführung, danach die Übungen.
Zum Modul →Quellen & Aktualität6 Primärquellen · zuletzt geprüft:
- 01learn.microsoft.com/en-us/azure/virtual-desktop/session-host-update
- 02learn.microsoft.com/en-us/azure/virtual-desktop/terminology
- 03learn.microsoft.com/en-us/azure/virtual-deskto…anagement-approaches
- 04learn.microsoft.com/en-us/azure/virtual-desktop/prerequisites
- 05learn.microsoft.com/en-us/azure/virtual-desktop/drain-mode
- 06learn.microsoft.com/en-us/azure/virtual-deskto…-pool-load-balancing