Active Directory

Hybrid Identity (Entra / Entra Connect)

Cloud-Dienste sollen unabhängig vom eigenen Rechenzentrum machen — und dann wählt jemand eine Anmeldemethode, die jede einzelne Anmeldung durch genau dieses Rechenzentrum leitet. Der Fehler fällt erst beim ersten Ausfall auf, und dann ist niemand mehr angemeldet. Dieses Modul behandelt die Brücke zwischen lokalem Verzeichnis und Cloud als das, was sie ist: eine Verbindung, die in beide Richtungen trägt. Abgleichsrichtung und maßgebliche Quelle, die drei Anmeldemethoden samt ihrem Ausfallverhalten, was bei der Kennwort-Synchronisierung wirklich übertragen wird, der Verbindungsserver als Tier-0-System in der Mitte, warum privilegierte lokale Konten nicht in die Cloud gehören — und warum ein Anker, der lesbar ist, aus genau diesem Grund der falsche ist.

Lehrtext · 12 Abschnitte · zuletzt geprüft: 2026-07-27

Zwei Verzeichnisse, eine Identität

In fast jeder gewachsenen Umgebung existiert das on-prem Active Directory neben Microsoft Entra ID (dem Cloud-Verzeichnis für Microsoft 365 und andere Cloud-Apps). Damit ein Nutzer nicht zwei getrennte Identitäten pflegen muss, verbindet Entra Connect (früher „Azure AD Connect“) beide: Es ist die Synchronisations-Engine, die on-prem Objekte in Entra ID spiegelt.

Der entscheidende Denkfehler, den dieses Modul ausräumt: Hybrid Identity ist keine bequeme Verzeichnis-Kopie, sondern eine neue Trust-Grenze. Der Connect-Server, das Sync-Konto, die Auth-Methode und das Federation-Signaturzertifikat sind allesamt Wege, mit denen eine on-prem-Kompromittierung in die Cloud (und umgekehrt) fließt. Wer diese Grenze nicht versteht, baut sich einen Eskalationspfad, den kein einzelnes Passwort mehr schützt.

MerksatzHybrid Identity vergrößert die Angriffsfläche in beide Richtungen. Die zentrale Frage ist nicht „wie synce ich?“, sondern „wer kontrolliert was — und wo fließt eine Kompromittierung hin?

Eine hybride Umgebung hat nicht einfach zwei Verzeichnisse, sondern eine Brücke dazwischen — und Brücken tragen in beide Richtungen. Die entscheidende Frage beim Entwurf lautet deshalb nicht, wie man beide Seiten härtet, sondern: Was kann jemand, der genau eine Seite kontrolliert, auf der anderen anrichten?

Von on-prem in die Cloud
Wer das lokale Verzeichnis kontrolliert, kontrolliert alles, was von dort synchronisiert wird — Konten, Gruppen und, bei Passwort-Hash-Synchronisierung, die Anmeldefähigkeit.
Von der Cloud nach on-prem
Funktionen wie Kennwortrückschreibung oder Geräteverwaltung geben der Cloud Schreibzugriff nach unten. Jede aktivierte Funktion ist eine zusätzliche Richtung.
Über den Verbindungsserver
Er hält die Anmeldedaten für beide Seiten. Wer ihn kontrolliert, braucht keine der beiden Seiten zu kompromittieren — er sitzt bereits in der Mitte.
Die Entwurfsregel, die daraus folgtJede Synchronisierungsrichtung und jede aktivierte Funktion gehört einzeln begründet. Der Standardfehler ist, beim Einrichten großzügig anzukreuzen, was „man später vielleicht braucht“ — jede dieser Optionen vergibt dauerhaft Rechte, und keine davon fällt im Betrieb auf, solange sie ungenutzt bleibt.

Sync-Topologie: Objektfluss und Source of Authority

Entra Connect synchronisiert Nutzer, Gruppen, Kontakte und Geräte aus dem on-prem AD nach Entra ID. Der Fluss ist grundsätzlich einseitig: on-prem ist die Source of Authority (Quelle der Autorität) für synchronisierte Objekte. Das heißt konkret: Anlegen, Umbenennen, Deaktivieren und Löschen eines synchronisierten Kontos passiert on-prem — eine Änderung im Cloud-Portal an einem synchronisierten Attribut wird beim nächsten Sync-Zyklus überschrieben oder ist gar nicht erst erlaubt.

On-prem AD (Source of Authority)Entra Connect (Sync-Engine)Entra ID (Spiegel synchronisierter Objekte)

Es gibt bewusste Ausnahmen vom Einbahnfluss, sogenannte Writeback-Funktionen. Die wichtigste ist Password Writeback: Setzt ein Nutzer sein Passwort per Self-Service-Password-Reset (SSPR) in der Cloud zurück, schreibt Entra Connect die Änderung zurück ins on-prem AD. Solche Writebacks sind eng umrissene, absichtlich geöffnete Kanäle — nicht die Regel.

Konsequenz für den BetriebEine versehentliche Löschung on-prem propagiert in die Cloud. Die Trust-Grenze wirkt in Fluss­richtung: Ein Fehler an der Quelle wird zum Fehler im Spiegel.

Kurzcheck

Ein Admin ändert im Entra-Portal den Anzeigenamen eines synchronisierten Nutzers, doch nach kurzer Zeit steht wieder der alte Wert da. Warum?

  • On-prem AD ist die Source of Authority für synchronisierte Objekte; der nächste Sync-Zyklus überschreibt die Cloud-Änderung mit dem on-prem-Wert.
  • Ein Replikationsfehler zwischen zwei Domain Controllern hat die Änderung verworfen.
  • Dem Konto fehlt eine Lizenz, deshalb speichert Entra Attributänderungen nicht.

Treffer. Genau. Synchronisierte Attribute werden on-prem gepflegt — die Cloud ist ihr Spiegel, nicht ihr Eigentümer.

Auth-Methode: PHS vs. PTA vs. Federation

Die zweite große Achse ist die Authentifizierungsmethode: Wo wird das Passwort eines Hybrid-Nutzers eigentlich geprüft? Es gibt drei Grundmuster, und die Wahl bestimmt sowohl das Ausfallverhalten als auch die Angriffsfläche.

Password Hash Sync (PHS)
Ein Hash des Passworts wird nach Entra ID synchronisiert; die Prüfung passiert in der Cloud. Einfachste und widerstandsfähigste Variante — Anmeldungen funktionieren weiter, auch wenn das on-prem AD gerade nicht erreichbar ist. Kehrseite: Kontosperren oder Passwort-Policy-Änderungen wirken erst mit dem nächsten Sync-Zyklus, nicht in Echtzeit.
Pass-through Authentication (PTA)
Kein Passwort-Hash in der Cloud; die Anfrage kommt in die Cloud, wird aber über leichtgewichtige on-prem Agents in Echtzeit gegen das AD geprüft. Kehrseite: hängt an der Verfügbarkeit von on-prem AD und Agents — fallen sie aus, schlägt die Anmeldung fehl. PHS kann als geplanter Notfallweg vorbereitet sein, ist aber kein automatischer PTA-Failover.
Federation (AD FS)
Ein on-prem Identity Provider (typisch AD FS) authentifiziert und stellt signierte SAML-Token aus, denen Entra vertraut. Erlaubt komplexe Szenarien (z. B. Smartcard, on-prem-Bedingungen). Kehrseite: schwerste zu betreibende Variante, macht den IdP zu einer großen Tier-0-Angriffsfläche (siehe Golden SAML) und hängt an dessen Verfügbarkeit.

Die evergreen Leitlinie: Bevorzuge Cloud-Authentifizierung (PHS), außer eine konkrete Anforderung erzwingt PTA oder Federation. PHS ist am einfachsten, am robustesten gegen on-prem-Ausfälle und aktiviert obendrein die Erkennung geleakter Anmeldedaten in der Cloud. PTA und Federation kaufen Kontrolle mit zusätzlichen beweglichen Teilen und einer größeren on-prem-Abhängigkeit.

Resilienz-PraxisAuch mit PTA oder Federation kann PHS als geplanter Notfallweg vorbereitet werden. Prüfe und übe den Umschaltprozess: PTA fällt nicht automatisch auf PHS zurück. Ohne eine bewusst vorbereitete Alternative nimmt ein DC- oder Agent-Ausfall die Cloud-Anmeldung gleich mit.

Was Password Hash Sync ist — und was nicht

Um PHS ranken sich hartnäckige Mythen („Microsoft bekommt unsere Klartext-Passwörter“). Technisch stimmt das nicht. PHS synchronisiert weder das Passwort noch den verwertbaren NT-Hash, sondern einen Hash des Hashes:

  • Der on-prem NT-Hash (MD4) des Passworts wird mit einem benutzerindividuellen Salt versehen.
  • Dieses Ergebnis läuft durch PBKDF2 mit HMAC-SHA256 über 1000 Iterationen zu einem 32-Byte-Hash.
  • Nur dieser Hash (samt Salt und Iterationszahl) geht per TLS an Entra ID. Der ursprüngliche NT-Hash verlässt die Domäne nie.

Folge: Der in Entra gespeicherte Wert lässt sich nicht zurückrechnen und nicht für Pass-the-Hash gegen das on-prem AD verwenden — er ist sogar besser geschützt als der Hash im AD selbst. PHS ist damit die konservativere, nicht die riskantere Wahl.

Trotzdem Tier-0„Kein Klartext“ heißt nicht „harmlos“. Der Entra-Connect-Server liest die on-prem-Hashes aus, um sie zu synchronisieren — dafür braucht er hochprivilegierte Rechte. Der Schutz liegt beim Server und Sync-Konto, nicht bei den übertragenen Hashes.

Seamless SSO und das AZUREADSSOACC$-Konto

Seamless SSO (Desktop-SSO) meldet domänengejointe Rechner ohne erneute Passworteingabe an der Cloud an. Dafür legt die Einrichtung ein Computerkonto `AZUREADSSOACC$` im on-prem AD an, dessen Kerberos-Entschlüsselungsschlüssel mit Entra ID geteilt wird. Dieses Konto ist die kryptografische Brücke, über die Entra on-prem ausgestellten Kerberos-Tickets vertraut.

Das Risiko: Wer den Schlüssel bzw. Hash von AZUREADSSOACC$ erbeutet, kann Kerberos-Tickets fälschen (ein Silver-Ticket-Muster) und sich damit als beliebiger Nutzer an der Cloud anmelden — ohne gültige on-prem-Credentials. Verschärfend: Der Schlüssel dieses Kontos rotiert nicht automatisch. Microsoft empfiehlt, ihn regelmäßig (etwa alle 30 Tage) zu rollieren — analog zum krbtgt-Konto.

PrinzipAZUREADSSOACC$ ist ein Tier-0-Geheimnis für die Cloud. Behandle es wie krbtgt: regelmäßig rotieren, streng schützen — und wenn Seamless SSO nicht wirklich gebraucht wird, ist Abschalten die kleinere Angriffsfläche.

Sync-Scoping: Tier-0 gehört nicht in die Cloud

Standardmäßig würde Entra Connect breit synchronisieren. Sync-Scoping grenzt bewusst ein, welche Objekte fließen — meist per OU-Filtering (nur ausgewählte Organisationseinheiten) oder Gruppen-/Attribut-Filter. Das ist keine Kosmetik, sondern eine Sicherheitsentscheidung.

Die harte Regel: Synchronisiere keine on-prem Tier-0-Konten (Domain Admins, Enterprise Admins, andere privilegierte AD-Konten) nach Entra ID. Jedes synchronisierte privilegierte Konto vergrößert die Fläche, über die eine Cloud-Kompromittierung on-prem greift — und umgekehrt. Ebenso gilt die Umkehrung: Cloud-Administratoren sollten reine Cloud-Konten sein (nicht aus dem on-prem AD synchronisiert), damit eine on-prem-Kompromittierung nicht direkt die Cloud-Adminebene mitnimmt.

MerksatzHalte die privilegierten Ebenen getrennt: on-prem Tier-0 bleibt on-prem, Cloud-Admins bleiben cloud-only. Alles, was diese Trennung aufhebt, koppelt zwei Blast-Radien zu einem.

Kurzcheck

Beim Aufsetzen der Synchronisation schlägt jemand vor, „einfach alles zu syncen, auch die Admin-OUs — dann ist nichts vergessen“. Wo ist der Denkfehler?

  • Synchronisierte on-prem Tier-0-Konten vergrößern die Cloud-Angriffsfläche und koppeln on-prem- und Cloud-Kompromittierung; privilegierte Konten sollten per Scoping ausgeschlossen bleiben.
  • Alles zu syncen ist korrekt; man muss den Admin-Konten danach nur ein sehr langes Passwort geben.
  • Der einzige Nachteil ist der höhere Lizenzverbrauch durch mehr synchronisierte Objekte.

Treffer. Richtig. Vollständigkeit ist hier keine Tugend — jedes synchronisierte Tier-0-Konto ist ein zusätzlicher Pfad zwischen den Ebenen.

Der Entra-Connect-Server ist Tier-0

Der Server, auf dem Entra Connect läuft, ist kein gewöhnlicher Member-Server — er ist Tier-0, auf derselben Schutzstufe wie ein Domain Controller. Der Grund liegt in den Rechten, die die Synchronisation braucht:

  • Für PHS besitzt das AD-Connector-Konto die Verzeichnisrechte `Replicating Directory Changes` und `Replicating Directory Changes All` — exakt die Rechte, die ein DCSync-Angriff missbraucht. Wer den Server oder dieses Konto kontrolliert, kann die Passwort-Hashes der gesamten Domäne abziehen.
  • Der Server kennt bei Federation-nahen Szenarien und Seamless SSO sensible Schlüssel bzw. deren Handhabung.
  • Kompromittierung des Connect-Servers = faktisch Domänen-Kompromittierung.

Daraus folgt für den Sync-Account: Least Privilege statt Bequemlichkeit. Ihm die Rolle Domain Admin oder Enterprise Admin zu geben, „damit es einfach läuft“, ist ein klassischer, schwerer Fehler — er braucht nur die spezifischen, delegierten Rechte der aktivierten Features. Doch selbst diese minimalen Rechte (DirSync-Replikation) machen ihn Tier-0. Der Server gehört daher gehärtet, von einer PAW administriert und nicht in eine niedrigere Tier-Ebene gejoint oder verwaltet.

MerksatzBehandle den Entra-Connect-Server wie einen Domain Controller. Er ist kein „Sync-Kästchen im Server-VLAN“, sondern hält die Schlüssel zur ganzen Domäne.

Federation-Risiko: Golden SAML

Wer Federation (AD FS) einsetzt, macht den on-prem IdP zum Trust-Anchor der Cloud-Anmeldung. AD FS signiert die SAML-Token mit einem privaten Token-Signing-Zertifikat. Genau hier setzt Golden SAML an: Stiehlt ein Angreifer den privaten Schlüssel dieses Signaturzertifikats, kann er beliebige SAML-Token selbst signieren — für jeden Nutzer, inklusive Administratoren.

Weil diese Token kryptografisch gültig aussehen, verlässt sich die betroffene Relying Party auf eine kompromittierte Signaturkette statt auf das Passwort des Nutzers. Ob und wie zusätzliche Cloud-Policies den Zugriff noch begrenzen, hängt vom konkreten Trust- und App-Design ab; ein Passwort-Reset oder MFA-Neuregistrierung entwertet den gestohlenen Signaturschlüssel jedoch nicht. Ein krbtgt-Reset ist ebenfalls wirkungslos, denn die Trust-Kette läuft über das AD-FS-Zertifikat, nicht über Kerberos.

Prinzip (evergreen)Golden SAML ist eine Trust-Anchor-Kompromittierung — dieselbe Klasse wie ein gestohlener CA-Schlüssel. Die Abwehr ist nicht das Nachjagen einzelner Anmeldungen, sondern das Entwerten des Schlüssels: Token-Signing-Zertifikat(e) rotieren/widerrufen, Vertrauen neu aufbauen, AD FS als Tier-0 schützen — und wo möglich weg von Federation hin zu Cloud-Authentifizierung.

Source Anchor / immutableID: Hard- vs. Soft-Match

Damit ein on-prem Objekt dauerhaft mit seinem Cloud-Objekt verknüpft bleibt, braucht es eine stabile Klammer: den Source Anchor. In Entra ID heißt dessen Wert `immutableID`. Er muss unveränderlich und eindeutig sein — ändert er sich, bricht die Bindung, und es entstehen doppelte oder verwaiste Cloud-Objekte.

Deshalb ist der Standard-Anchor moderner Entra-Connect-Installationen `msDS-ConsistencyGuid` (typischerweise mit dem objectGUID befüllt) — ein Wert, der auch eine spätere Migration zwischen Forests überlebt. Ein veränderliches Attribut wie E-Mail-Adresse oder UPN als Anchor zu wählen ist ein Anti-Pattern: Sobald es sich ändert, reißt die Verknüpfung.

Hard-Match
Verknüpfung über den Source Anchor (immutableID). Die explizite, kontrollierte Bindung — Entra findet das zugehörige Objekt eindeutig über den unveränderlichen Wert.
Soft-Match
Findet Entra kein Objekt mit passender immutableID, versucht es, über `userPrincipalName` oder die primäre SMTP-Adresse ein bestehendes Cloud-Objekt zu treffen. Praktisch beim erstmaligen Verbinden bestehender Cloud-Konten — aber es matcht auf veränderliche Attribute und kann so das falsche Objekt treffen.
Warum das ein Sicherheitsthema istSoft-Match bindet über Attribute, die jemand mit on-prem-Schreibrechten setzen kann. Ein on-prem Objekt mit passendem UPN/SMTP kann so ein bestehendes (auch privilegiertes) Cloud-Konto an sich binden. Für sensible Konten daher kontrollierter Hard-Match und Verifikation vor dem ersten Sync.

Was on-prem bleibt, wenn die Cloud ausfällt — und umgekehrt

Die Wahl der Anmeldemethode ist zugleich eine Entscheidung über Ausfallverhalten, und die wird beim Entwurf regelmäßig übersehen, weil sie erst im Ernstfall sichtbar wird.

Anmeldung in der Cloud
Die Cloud prüft selbst. Fällt die lokale Anbindung aus, melden sich Nutzer an Cloud-Diensten weiter an — die Synchronisierung steht still, aber niemand ist ausgesperrt.
Durchgereichte Anmeldung
Jede Anmeldung braucht einen erreichbaren lokalen Agenten. Fällt die Anbindung aus, ist die Anmeldung an Cloud-Diensten nicht mehr möglich — auch für Nutzer, die mit dem lokalen Netz gar nichts zu tun haben.
Föderation
Die Anmeldung läuft über einen lokalen Dienst. Dessen Verfügbarkeit ist damit die Verfügbarkeit sämtlicher Cloud-Anmeldungen — inklusive aller Abhängigkeiten dieses Dienstes.
Die Frage vor der MethodenwahlNicht „welche ist die sicherste“, sondern: Was soll passieren, wenn das Rechenzentrum nicht erreichbar ist? Wer Cloud-Dienste einführt, um vom eigenen Standort unabhängiger zu werden, und dann eine Methode wählt, die jede Anmeldung durch dieses Rechenzentrum leitet, hat sich die Abhängigkeit über einen Umweg zurückgeholt — und merkt es beim ersten Ausfall.
Der Notfallweg gehört dazuBei jeder Methode, die von einer lokalen Komponente abhängt, gehört ein geprüfter Wechsel auf Cloud-Anmeldung in den Notfallplan — und zwar mit der Angabe, wie lange er dauert und wer ihn ausführen darf. Ein Wechsel, den man erst im Ausfall zum ersten Mal versucht, dauert länger als der Ausfall selbst.

Durchgerechnet: Was gehört überhaupt in den Sync?

Vier Gruppen von Objekten, vier Entscheidungen

Szenario

Vor der Erstsynchronisierung ist festzulegen, welche Objekte übertragen werden. Der Vorschlag lautet: „Alles, dann fehlt nichts.“

Anforderungen

  • Für jede Gruppe die Entscheidung begründen
  • Die Folgen einer späteren Änderung mitdenken

Schritte

  1. Normale Benutzer und ihre Gruppen: Ja — das ist der Zweck der Übung. Hier entsteht der Nutzen, und das Risiko ist beherrschbar.
  2. Privilegierte lokale Konten: Nein. Ein Konto mit weitreichenden Rechten im lokalen Verzeichnis gehört nicht in die Cloud gespiegelt, weil sonst eine Kompromittierung auf der Cloud-Seite unmittelbar lokale Wirkung hätte. Cloud-Administration bekommt eigene, nur dort existierende Konten.
  3. Dienst- und Systemkonten: In der Regel nein. Sie werden in der Cloud nicht gebraucht, vergrößern aber die Angriffsfläche und die Zahl der Objekte, die jemand analysieren kann.
  4. Verwaiste und deaktivierte Objekte: Nein — und der Anlass, sie vorher aufzuräumen. Eine Synchronisierung ist der Moment, in dem lokale Altlasten sichtbar und dauerhaft werden.
  5. Die Gegenprobe zum Schluss: Was passiert, wenn ein Objekt später aus dem Bereich fällt? Es wird auf der Cloud-Seite gelöscht. Ein zu weit gesetzter Bereich, den man später einengt, löst deshalb eine Löschwelle aus — der Grund, warum enger anfangen und erweitern besser ist als umgekehrt.

Merksatz: „Alles synchronisieren“ ist keine sichere Voreinstellung, sondern die Entscheidung mit den meisten Folgen — und die einzige, die sich später nicht folgenlos zurücknehmen lässt.

Zusammenfassung — gleich im Check

Die Achsen dieses Moduls: Sync-Topologie (Objektfluss, Source of Authority, Password Writeback); die Auth-Methode PHS/PTA/Federation mit ihren Trade-offs und ihrem Ausfallverhalten; was PHS wirklich synchronisiert (Hash des Hashes, kein Klartext, kein Pass-the-Hash); das Seamless-SSO-Konto AZUREADSSOACC$; Sync-Scoping und die Trennung der privilegierten Ebenen; der Connect-Server als Tier-0 samt Rechten des Sync-Accounts; Golden SAML als Trust-Anchor-Kompromittierung; und die Bindung über Source Anchor / immutableID (Hard- vs. Soft-Match).

Gleich im CheckDu entscheidest für konkrete Situationen die beste Auth-Methode, Reaktion oder Konfiguration — und in einer Sortier-Mission ordnest du zu, welche Kontrolle on-prem, welche in der Cloud und welche geteilt liegt. Jede Option zeigt, warum sie die Trust-Grenze richtig trifft oder aus welchem benannten Grund nicht.

Jetzt anwenden

Diesen Stoff gibt es als Modul mit bewerteten Entscheidungs-Checks — dieselbe Einführung, danach die Übungen.

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Quellen & Aktualität28 Primärquellen · zuletzt geprüft:
  1. 01Microsoft Learn — What is password hash synchronization with Microsoft Entra ID? / Implement password hash synchronization (MD4 + Salt + PBKDF2/HMAC-SHA256, 1000 Iterationen; NT-Hash verlässt on-prem nicht)
  2. 02Microsoft Learn — Choose the right authentication method for Microsoft Entra hybrid identity (PHS vs. PTA vs. Federation, Ausfallverhalten, PHS als Backup)
  3. 03Microsoft Learn — Microsoft Entra Connect: Design concepts / sourceAnchor, msDS-ConsistencyGuid, immutableID; soft-match vs. hard-match (userPrincipalName/proxyAddresses vs. sourceAnchor)
  4. 04Microsoft Learn — Microsoft Entra seamless single sign-on: technical deep dive und Rollover des Kerberos-Entschlüsselungsschlüssels für AZUREADSSOACC$
  5. 05Microsoft Learn — Protecting Microsoft 365 from on-premises attacks / Securing privileged access: Entra-Connect-Server als Tier-0, privilegierte Konten nicht synchronisieren
  6. 06CyberArk / Mandiant — Golden SAML: Forging SAML tokens via stolen AD FS token-signing certificate (Trust-Anchor-Kompromittierung, umgeht MFA)
  7. 07Microsoft Learn — Microsoft Entra Connect design concepts and source of authority
  8. 08Microsoft Learn — Implement password hash synchronization
  9. 09Microsoft Learn — Microsoft Entra Connect accidental deletion prevention
  10. 10Microsoft Learn — sync design concepts
  11. 11Microsoft Learn — Microsoft Entra Connect user sign-in options
  12. 12Microsoft Learn — password hash synchronization
  13. 13Microsoft Learn — Pass-through Authentication FAQ
  14. 14Microsoft Learn — PTA technical deep dive
  15. 15Microsoft Learn — Microsoft Entra Connect sourceAnchor and msDS-ConsistencyGuid
  16. 16Microsoft Learn — Microsoft Entra seamless single sign-on technical deep dive
  17. 17Microsoft security guidance — protect privileged access in hybrid identity
  18. 18Microsoft Learn — Entra Connect filtering
  19. 19Microsoft Learn — Entra Connect design concepts
  20. 20Microsoft security guidance — hybrid identity
  21. 21Microsoft security guidance — federation security
  22. 22Microsoft security guidance — securing Microsoft Entra Connect server
  23. 23Microsoft Learn — password hash synchronization permissions
  24. 24Microsoft Learn — Microsoft Entra Connect permissions
  25. 25Microsoft security guidance — AD FS token-signing certificate rollover
  26. 26Mandiant — Golden SAML
  27. 27Microsoft Learn — Microsoft Entra Connect matching users
  28. 28Microsoft Learn — sourceAnchor design