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Certificate Services & PKI (AD CS)

Ein Certificate Template heißt harmlos, ist seit Jahren im Einsatz und wurde nie geändert. Es erlaubt breite Beantragung, lässt den Antragsteller den Namen im Zertifikat selbst mitliefern, trägt einen Anmelde-Verwendungszweck und verlangt keine Freigabe. Jede dieser vier Eigenschaften ist für sich vertretbar — zusammen ergeben sie eine Vollmacht, sich als beliebige Identität auszuweisen. Dieses Modul behandelt die AD-PKI aus Verteidigersicht: die ausstellende CA als Tier-0-Vertrauensanker, die zweistufige Hierarchie, Templates als Blaupause der Ausstellung, den Verwendungszweck als eigentliche Vollmacht, die Herkunft des Namens im Zertifikat, warum namensbasierte Zuordnungen dokumentiert als schwach gelten — und was Widerruf leistet, wenn der CA-Schlüssel selbst abhandenkommt: nichts.

Lehrtext · 11 Abschnitte · zuletzt geprüft: 2026-07-27

Wozu eine PKI in AD — und warum sie Tier-0 ist

Active Directory Certificate Services (AD CS) ist die interne Public-Key-Infrastruktur der Domäne. Sie stellt Zertifikate aus, mit denen sich Nutzer und Maschinen authentifizieren (Smartcard-/PKINIT-Logon, 802.1x, VPN, LDAPS, Code Signing). Ein Zertifikat ist damit ein zweiter Weg, eine Identität zu beweisen — neben dem Passwort.

Der entscheidende Punkt für die Sicherheit: Eine Enterprise-CA wird beim Setup in den NTAuth-Store der Domäne eingetragen. Jedes Zertifikat, das an eine dieser CAs zurückkettet und eine Authentifizierungs-EKU trägt, wird von Domain Controllern als gültiger Logon-Nachweis akzeptiert. Wer also unkontrolliert Client-Auth-Zertifikate ausstellen kann, kann sich als beliebige Identität anmelden — ganz ohne deren Passwort.

MerksatzEine ausstellende CA ist so mächtig wie ein Passwort-Reset für die ganze Domäne. Deshalb ist AD CS Tier-0 — genau wie Domain Controller. Fehler in der PKI sind keine „Zertifikatsdetails“, sondern Pfade zur Domänenübernahme.

Zweistufig: Offline-Root und Online-Issuing

Die verbreitete Praxis ist eine zweistufige Hierarchie: eine Root-CA, die den Vertrauensanker signiert, und darunter eine oder mehrere Issuing-CAs, die den Tagesbetrieb erledigen. Der Grund ist Blast-Radius-Kontrolle:

Root-CA
Signiert nur die untergeordneten CA-Zertifikate — selten, mit langer Laufzeit. Wird als standalone aufgesetzt und danach offline gehalten (heruntergefahren/getrennt). Nicht domänengejoint, kein Netz. Ihr privater Schlüssel ist das höchste Gut.
Issuing-CA (Enterprise, online)
Domänengejoint, stellt die Massenzertifikate für Nutzer/Maschinen aus, kennt Templates und Autoenrollment. Wird sie kompromittiert, kann man sie widerrufen und über die Root neu ausstellen, ohne den Vertrauensanker zu verlieren.

Eine einstufige PKI (Root = Issuing, online, domänengejoint) spart Aufwand, koppelt aber den Vertrauensanker an die Angriffsfläche des Tagesbetriebs: Wird diese eine CA kompromittiert, ist der Anker selbst verloren — Recovery heißt dann, die gesamte PKI neu aufzubauen und überall neu zu verteilen.

Kurzcheck

Warum hält man die Root-CA offline und lässt eine separate Issuing-CA den Betrieb machen?

  • Damit eine Kompromittierung der Betriebs-CA widerrufen und über den weiterhin vertrauenswürdigen Anker neu ausgestellt werden kann.
  • Weil eine Offline-Root Zertifikate schneller ausstellt als eine Online-CA.
  • Weil nur eine Offline-Root Zertifikate für Smartcard-Logon ausstellen darf.

Treffer. Genau. Die Trennung begrenzt den Blast-Radius: Der seltene, offline gehaltene Schlüssel bleibt geschützt, während die exponierte Issuing-CA ersetzbar bleibt.

Certificate Templates: die Blaupause der Ausstellung

Eine Enterprise-CA stellt nichts frei Hand aus — sie folgt Certificate Templates. Ein Template legt fest: welche EKU das Zertifikat trägt, wer es beantragen darf, wer Subject/SAN liefert und ob ein Mensch die Ausstellung genehmigen muss. Wer das Template (bzw. dessen ACL) kontrolliert, kontrolliert damit was ausgestellt wird.

Enroll
Recht, ein Zertifikat aus diesem Template aktiv zu beantragen. Sollte auf die Gruppe begrenzt sein, die es fachlich braucht — nicht Domain Users oder Authenticated Users für Auth-Templates.
Autoenroll
Zusätzlich zu Enroll: Clients ziehen das Zertifikat automatisch und lautlos per Gruppenrichtlinie. Bequem für Flottenrollout, aber es verteilt ein gefährliches Template ohne jede menschliche Zwischenkontrolle an die gesamte Zielpopulation.
Write/FullControl auf das Template
Wer die Template-Konfiguration ändern darf, kann Flags, EKU und Enroll-Rechte umschreiben — also ein harmloses Template in ein gefährliches verwandeln. Dieses Recht gehört ausschließlich zu Tier-0-PKI-Administratoren.
LeitfrageFür jedes Auth-Template: Wer darf enrollen, wer darf es ändern — und braucht diese Population wirklich ein Zertifikat, mit dem man sich anmelden kann? Zu breite Rechte sind die Wurzel fast aller AD-CS-Eskalationen.

EKU: wofür ein Zertifikat überhaupt gilt

Die Extended Key Usage (EKU) ist die Liste der Zwecke, für die ein Zertifikat gültig ist. Sie ist die eigentliche „Vollmacht“ des Zertifikats. Für die Sicherheit zählt vor allem, ob eine EKU die Authentifizierung gegen AD erlaubt:

Client Authentication (1.3.6.1.5.5.7.3.2)
Erlaubt, sich mit dem Zertifikat als Client zu authentifizieren (u. a. PKINIT/Kerberos, LDAPS-Clientauth). Reicht für Identitätsübernahme, wenn der Antragsteller den Namen im Zertifikat bestimmen kann.
Smart Card Logon (1.3.6.1.4.1.311.20.2.2)
Ebenfalls eine Authentifizierungs-EKU — für interaktives Smartcard-/PKINIT-Logon. Aus Angreifersicht gleich brisant wie Client Authentication.
Any Purpose / keine EKU
„Any Purpose“ oder ein fehlendes EKU-Feld (SubCA) machen das Zertifikat für jeden Zweck nutzbar — inklusive Auth. Am gefährlichsten, weil unbegrenzt.
Server Authentication, Encrypting File System, …
Zwecke ohne Client-Auth. Ein reines Server-Auth-Zertifikat erlaubt keine Anmeldung als Nutzer — die EKU begrenzt die Vollmacht.
MerksatzNicht jedes Zertifikat ist ein Logon-Nachweis. Ob eines zur Identitätsübernahme taugt, entscheidet die EKU: Client Authentication, Smart Card Logon, PKINIT oder Any Purpose sind die gefährlichen — reine Server-/Verschlüsselungs-EKUs sind es nicht.

Wer liefert Subject und SAN?

Ein Auth-Zertifikat sagt: „Ich bin dieser Principal.“ Welcher Principal das ist, steht im Subject bzw. im Subject Alternative Name (SAN) — bei AD-Auth meist der UPN. Entscheidend ist, wer diesen Namen setzt:

  • Von der CA aus AD gebaut (Default und sicher): Die CA setzt Subject/SAN anhand des authentifizierten Antragstellers aus dem Verzeichnis. Man kann nur ein Zertifikat für sich selbst bekommen.
  • Vom Antragsteller geliefert (`ENROLLEE_SUPPLIES_SUBJECT`): Das Template erlaubt, dass der Antragsteller Subject/SAN frei angibt (im Template-Dialog „Angabe in der Anforderung“). Damit kann jemand einen fremden UPN eintragen — z. B. den eines Domain Admins.
Warum das zusammen mit der EKU zählt„Antragsteller liefert den Namen“ ist für ein reines Verschlüsselungszertifikat harmlos. In Kombination mit einer Auth-EKU wird daraus die Fähigkeit, sich als beliebige Identität auszuweisen. Erst die Kombination Auth-EKU + antragstellergelieferter SAN + breite Enroll-Rechte ist der Sprengstoff.

Kurzcheck

Ein Template hat die Client-Authentication-EKU und erlaubt dem Antragsteller, den SAN selbst zu setzen; Enroll ist für Domain Users offen. Was ist das Kernproblem?

  • Jeder Domänennutzer kann ein Auth-Zertifikat auf einen fremden Principal (z. B. Domain Admin) ausstellen und sich damit als dieser anmelden.
  • Nichts Kritisches — die CA prüft beim Logon ohnehin das Passwort des Ziel-Accounts.
  • Nur ein Verfügbarkeitsproblem, weil zu viele Nutzer gleichzeitig enrollen.

Treffer. Richtig. Auth-EKU plus selbst gelieferter SAN plus breite Enroll-Rechte ergibt Identitätsübernahme — das ist die ESC1-Klasse.

Fehlkonfig-Klassen: ESC1 und ESC8 als Prinzip

Die bekannten AD-CS-Eskalationen (in der Forschung als ESCx nummeriert) sind keine Exploits in einer Software-Version, sondern Klassen von Fehlkonfigurationen. Zwei sind das Fundament:

  • ESC1 — antragstellergelieferter SAN auf einem Auth-Template. Ein Template erfüllt gleichzeitig: (1) niedrig privilegierte Enroll-Rechte, (2) eine Auth-EKU (Client Auth / Smart Card Logon / PKINIT / Any Purpose), (3) ENROLLEE_SUPPLIES_SUBJECT, (4) keine Manager-Genehmigung und (5) keine geforderte autorisierte Signatur. Ergebnis: jeder berechtigte Antragsteller stellt sich ein Zertifikat für einen beliebigen Principal aus. Die Abwehr sitzt an jeder dieser Bedingungen — am wirksamsten daran, den selbst gelieferten SAN abzuschalten und Auth-EKUs nur an enge Gruppen zu vergeben.
  • ESC8 — NTLM-Relay auf die Web-Enrollment-Endpunkte. Die HTTP-basierten Enrollment-Schnittstellen (Web Enrollment certsrv, Certificate Enrollment Web Service) akzeptieren standardmäßig NTLM und sind nicht gegen Relay geschützt. Ein Angreifer zwingt ein privilegiertes Maschinenkonto (etwa einen DC) zur Authentifizierung (Coercion) und relayt diese an den HTTP-Endpunkt, um ein Zertifikat für den DC zu erhalten. Die Abwehr sitzt am Kanal: Extended Protection for Authentication (EPA/Channel Binding) erzwingen, HTTPS verlangen, NTLM unterbinden — oder Web-Enrollment ganz entfernen, wenn ungenutzt.
Evergreen-BlickMerke dir nicht Tool-Schritte, sondern die Wurzel: ESC1 ist zu breite Ausstellungs-Vollmacht (wer + welcher Name + welche EKU); ESC8 ist ein ungeschützter Auth-Kanal (HTTP + NTLM ohne Channel Binding). Neue ESC-Nummern variieren die Bausteine — die zwei Prinzipien bleiben.

Härten, Widerruf und der CA-Schlüssel

Härten heißt: die Ausstellungs-Vollmacht auf das Nötige verengen. Die wirksamsten Hebel, grob nach Wirkung:

  • ENROLLEE_SUPPLIES_SUBJECT auf Auth-Templates abschalten (CA baut Subject/SAN aus AD).
  • Enroll-Rechte kürzen — keine Domain Users/Authenticated Users auf Auth-Templates; Autoenroll nur, wo bewusst gewollt.
  • Manager-Genehmigung für sensible Templates erzwingen (menschliches Gate).
  • Gefährliche/unnötige EKUs entfernen; keine „Any Purpose“-Templates für breite Gruppen.
  • Ungenutzte Auth-Templates ganz von der CA nehmen (unpublish) — was niemand braucht, ist reine Ausstellungsfläche und wird durch eine spätere Fehländerung zum Pfad.
  • Für die HTTP-Enrollment-Endpunkte EPA + HTTPS erzwingen und NTLM unterbinden.

Revocation ist die Notbremse — aber nur so gut wie ihre Erreichbarkeit. Ein Zertifikat gilt als gültig, solange die prüfende Gegenstelle keinen Widerruf sieht. Ein Widerruf wirkt erst, wenn eine aktualisierte CRL (oder OCSP-Antwort) veröffentlicht und erreichbar ist und die Gegenstelle sie prüft; zwischengespeicherte CRLs gelten bis zu ihrem Ablauf weiter. Wichtig: Der AD-CS-Online Responder (OCSP) leitet seine Antwort in der Standardkonfiguration aus derselben CRL ab — er ist damit nicht automatisch aktueller als die CRL, nur feiner abrufbar. Kehrseite: Ist der CRL Distribution Point (CDP) unerreichbar und prüft die Gegenstelle „hart“, schlägt jede Validierung fehl — ein klassischer, flächiger Ausfall (TLS, Logon), ganz ohne Angreifer.

Blast-Radius des CA-SchlüsselsWer den privaten Schlüssel einer ausstellenden CA stiehlt, schmiedet gültige Zertifikate für jeden Principal — die kein CRL-Eintrag stoppt (das gefälschte Zertifikat wurde nie regulär ausgestellt). Ein solcher Diebstahl überlebt sogar einen krbtgt-Reset. Deshalb: CA-Schlüssel in ein HSM (nicht exportierbar), nicht als exportierbaren Software-Schlüssel. Recovery bei Verdacht = CA-Schlüssel/CA neu aufsetzen und Vertrauen neu verteilen.
Was Härtung nicht leistetAlle Härtungsmaßnahmen wirken auf die Ausstellung. Sie machen bereits ausgestellte Zertifikate nicht ungültig. Wer ein zu weites Template korrigiert, hat damit die Zukunft gesichert und die Vergangenheit unverändert gelassen — und die kann Jahre zurückreichen, weil Zertifikate lange Laufzeiten haben. Zu einer Template-Härtung gehört deshalb zwingend die Frage: Was wurde darüber bereits ausgestellt, an wen, und ist davon etwas zu widerrufen? Die Ausstellungsdatenbank der CA beantwortet das.

Wie aus einem Zertifikat ein Konto wird

Ein Zertifikat behauptet eine Identität. Damit daraus eine Anmeldung wird, muss der Domain Controller es einem Konto zuordnen. Diese Zuordnung ist der Punkt, an dem die gesamte Sicherheit einer Zertifikats-Anmeldung hängt — und sie ist nicht immer gleich stark.

Implizit über einen Namen
Der KDC liest einen Namen aus dem Zertifikat — etwa den Anmeldenamen im Subject Alternative Name — und sucht das passende Konto.
Explizit über `altSecurityIdentities`
Am Konto selbst steht, welches Zertifikat zu ihm gehört. Die Zuordnung ist damit ausdrücklich gesetzt statt hergeleitet.
Die Regel, die stark von schwach trenntDie Dokumentation formuliert das Kriterium allgemein und damit übertragbar: Eine Zuordnung gilt als stark, wenn sie auf Bezeichnern beruht, die sich nicht wiederverwenden lassen. Alle Zuordnungen über Benutzernamen und E-Mail-Adressen gelten deshalb als schwach — solche Werte werden neu vergeben, wenn jemand das Unternehmen verlässt und ein anderer denselben Namen bekommt.
Warum das die Angriffsklassen erklärtWenn ein Name als Identitätsnachweis genügt und ein Antragsteller den Namen im Zertifikat selbst bestimmen darf, dann darf er sich seine Identität aussuchen. Genau das ist die Wurzel der bekannten Eskalationen — nicht ein Fehler in einer Softwareversion, sondern eine Kette aus zwei für sich harmlosen Einstellungen. Umgekehrt gilt: Eine starke, an unveränderliche Bezeichner gebundene Zuordnung entwertet einen selbst gewählten Namen im Zertifikat.

Widerruf: die Notbremse und ihre Grenzen

Ein ausgestelltes Zertifikat ist bis zu seinem Ablaufdatum gültig — es sei denn, es wird widerrufen. Der Widerruf ist damit die einzige Möglichkeit, ein Zertifikat vor seiner Zeit zu entwerten. Er hat allerdings drei Eigenschaften, die man kennen muss, bevor man sich darauf verlässt.

  • Er wirkt nur, wenn geprüft wird. Nicht jede Anwendung prüft den Widerrufsstatus, und nicht jede prüft ihn streng. Was nicht geprüft wird, ist nicht widerrufen.
  • Er wirkt nur, wenn die Auskunft erreichbar ist. Die Sperrliste liegt an einem Ort, den der Prüfende erreichen muss. Ist er es nicht, entscheidet die Konfiguration der prüfenden Seite über das Ergebnis — und die ist selten streng eingestellt.
  • Er wirkt verzögert. Sperrlisten werden in Abständen veröffentlicht und von den Prüfenden zwischengespeichert. Zwischen dem Widerruf und seiner Wirkung liegt deshalb ein Fenster, dessen Länge man kennen sollte, bevor man sie im Ernstfall ausrechnet.
Die Konsequenz für den ErnstfallWiderruf ist keine sofortige Maßnahme. Wer im Vorfall auf ihn setzt, plant mit einer Wirkung, die je nach Veröffentlichungsrhythmus und Zwischenspeicherung Stunden auf sich warten lässt. Für ein einzelnes abhandengekommenes Zertifikat ist er trotzdem das richtige Werkzeug — für einen kompromittierten CA-Schlüssel ist er wirkungslos, weil damit ausgestellte Zertifikate auf keiner Sperrliste stehen und der Angreifer beliebig neue schmieden kann.
Und die unangenehme KehrseiteEine Sperrlisten-Auskunft, die nicht erreichbar ist, kann bei streng prüfenden Anwendungen dazu führen, dass gültige Zertifikate abgelehnt werden. Damit ist die Verfügbarkeit der Widerrufsauskunft selbst betriebskritisch: Sie ist gleichzeitig Sicherheitsfunktion und Ausfallquelle. Ihre Erreichbarkeit gehört überwacht — und ihre Veröffentlichungsintervalle gehören so gewählt, dass die nächste Liste erscheint, bevor die aktuelle abläuft.

Durchgerechnet: ein Template, das zu viel erlaubt

Vier Eigenschaften prüfen, in dieser Reihenfolge

Szenario

Ein Audit soll feststellen, ob ein vorhandenes Certificate Template zur Identitätsübernahme taugt. Es heißt harmlos, ist seit Jahren im Einsatz und wurde nie geändert.

Anforderungen

  • Ohne Angriffswerkzeuge beurteilen
  • Die Beurteilung an Eigenschaften festmachen, nicht am Namen

Schritte

  1. Taugt es überhaupt zur Anmeldung? Enthält die Verwendungszweck-Liste einen Zweck, der Authentifizierung erlaubt — oder ist sie leer beziehungsweise auf beliebige Zwecke gesetzt? Lautet die Antwort nein, ist das Template für diese Frage uninteressant, egal wer es beantragen darf.
  2. Wer darf es beantragen? Umfasst das Enroll-Recht breite Gruppen wie alle Domänenbenutzer oder alle Domänencomputer? Je breiter, desto mehr Konten können den nächsten Schritt gehen.
  3. Wer bestimmt den Namen? Baut die CA Subject und Alternativnamen aus dem Verzeichnis — oder darf der Antragsteller sie mitliefern? Nur im zweiten Fall kann jemand eine fremde Identität behaupten.
  4. Braucht es eine Freigabe? Ist eine Genehmigung durch einen Zertifikatmanager oder eine Signatur eines berechtigten Antragstellers gefordert, unterbricht das die Kette — auch wenn die ersten drei Punkte ungünstig stehen.
  5. Und zuletzt: Wer darf das Template ändern? Wer Schreibrechte darauf hat, kann alle vier Eigenschaften nachträglich setzen — dieses Recht ist deshalb so kritisch wie die Ausstellung selbst.

Merksatz: Kein einzelner Punkt ist für sich ein Befund. Gefährlich wird erst die Kombination — breite Beantragung, selbst gewählter Name, Anmelde-Verwendungszweck und keine Freigabe. Genau deshalb ist die Prüfung eine Kette und keine Checkliste einzelner Einstellungen.

Zusammenfassung — gleich im Check

Die Achsen dieses Moduls: zweistufige Hierarchie (Offline-Root/Online-Issuing) und die CA als Tier-0-Vertrauensanker; Templates (Enroll vs. Autoenroll, wer darf ändern); EKU (welche Zwecke Auth erlauben); Herkunft von Subject/SAN; die Fehlkonfig-Klassen ESC1 und ESC8; Härtung, Revocation/CRL-Abhängigkeit und der Blast-Radius des CA-Schlüssels.

Gleich im CheckDu entscheidest für konkrete Situationen die beste Konfiguration oder Reaktion — und in einer Audit-Mission markierst du in einem verwundbaren Template die Zeilen, die zusammen ESC1 ergeben. Pro Option siehst du, warum sie die Wurzel trifft oder aus welchem benannten Grund nur ein Symptom.

Jetzt anwenden

Diesen Stoff gibt es als Modul mit bewerteten Entscheidungs-Checks — dieselbe Einführung, danach die Übungen.

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Quellen & Aktualität37 Primärquellen · zuletzt geprüft:
  1. 01Microsoft Learn — Active Directory Certificate Services (AD CS) Overview / Design (Two-Tier-Hierarchie, Offline-Root)
  2. 02Microsoft Learn — Certificate Templates: Berechtigungen (Enroll/Autoenroll) und Subject-Name-Optionen
  3. 03Microsoft Learn — NTAuth-Store und zertifikatbasierte Anmeldung (PKINIT/Smartcard)
  4. 04SpecterOps — „Certified Pre-Owned: Abusing Active Directory Certificate Services“ (Schroeder/Christensen): ESC1- und ESC8-Fehlkonfigurationsklassen
  5. 05Microsoft Learn — Extended Protection for Authentication (Channel Binding) für Web Enrollment / CES
  6. 06support.microsoft.com/en-us/topic/kb5014754-ce…40-a468-4d4f3b188f16
  7. 07learn.microsoft.com/en-us/windows-server/ident…ing-active-directory
  8. 08Microsoft Learn — NTAuth-Store und zertifikatbasierte Anmeldung
  9. 09SpecterOps — „Certified Pre-Owned: Abusing Active Directory Certificate Services“ (CA als Tier-0)
  10. 10Microsoft Learn — Extended Key Usage und zertifikatbasierte Anmeldung
  11. 11SpecterOps — „Certified Pre-Owned“: Authentifizierungs-EKUs als Voraussetzung der Template-Eskalation
  12. 12Microsoft Learn — AD CS Design: Two-Tier-Hierarchie und Offline-Root-CA
  13. 13Microsoft Learn — Standalone- vs. Enterprise-CA
  14. 14Microsoft Learn — Certificate Templates auf einer Enterprise-CA veröffentlichen und entfernen (Ausstellungsfläche verwalten)
  15. 15SpecterOps — „Certified Pre-Owned“: Reduktion der ESC-Angriffsfläche (ungenutzte bzw. gefährliche Templates entfernen)
  16. 16Microsoft Learn — Certificate Revocation: CRL-Veröffentlichung, Gültigkeitsdauer und manuelles Publizieren
  17. 17Microsoft Learn — OCSP-Responder und Abhängigkeit von der CRL
  18. 18Microsoft Learn — Certificate Templates: Application Policies / Extended Key Usage
  19. 19SpecterOps — „Certified Pre-Owned“: Any-Purpose- und fehlende EKUs als Auth-Vektor
  20. 20Microsoft Learn — Certificate Templates: Enroll- und Autoenroll-Berechtigungen; Autoenrollment per Gruppenrichtlinie
  21. 21SpecterOps — „Certified Pre-Owned“: Enrollment-Rechte als Voraussetzung von Template-Eskalationen
  22. 22Microsoft Learn — Certificate Templates: Berechtigungen auf dem Template-Objekt (Write/FullControl)
  23. 23SpecterOps — „Certified Pre-Owned“: Kontrolle über Template-Objekte als Eskalationsklasse
  24. 24Microsoft Learn — Certificate Templates: Subject Name („Build from AD“ vs. „Supply in the request“ / ENROLLEE_SUPPLIES_SUBJECT)
  25. 25SpecterOps — „Certified Pre-Owned“: ESC1 (antragstellergelieferter SAN auf Auth-Template)
  26. 26Microsoft Learn — CRL Distribution Points (CDP), OCSP und Revocation-Prüfung
  27. 27Microsoft Learn — AD CS: Verfügbarkeit der Revocation-Infrastruktur planen
  28. 28SpecterOps — „Certified Pre-Owned“: Priorisierung der ESC-Klassen nach Ausnutzbarkeit
  29. 29Microsoft Learn — AD CS Sicherheits- und Härtungsempfehlungen
  30. 30SpecterOps — „Certified Pre-Owned: Abusing Active Directory Certificate Services“: ESC1-Bedingungen
  31. 31Microsoft Learn — Certificate Templates: Subject Name, Issuance Requirements und Berechtigungen
  32. 32SpecterOps — „Certified Pre-Owned“: ESC8 (NTLM-Relay auf AD-CS-Web-Enrollment)
  33. 33Microsoft Learn — Extended Protection for Authentication (Channel Binding) und Mitigation von NTLM-Relay auf HTTP-Endpunkte
  34. 34Microsoft Learn — CA-Schlüsselspeicher: KSP, HSM und Schutz des privaten Schlüssels
  35. 35SpecterOps — „Certified Pre-Owned“: Diebstahl des CA-Schlüssels („Golden Certificate“) als Blast-Radius
  36. 36SpecterOps — „Certified Pre-Owned“: Kompromittierung des CA-Schlüssels und Golden Certificate
  37. 37Microsoft Learn — AD CS: Wiederherstellung/Ersatz einer kompromittierten CA und Vertrauensverwaltung