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MCP-Grundlagen: das Protokoll, die Rollen, der erste Aufruf

Das mentale Modell hinter MCP — welches Problem es löst, wer welche Rolle spielt, was ein Server anbietet und wie der erste Aufruf abläuft.

MCP-Grundlagen: Protokoll, Rollen, erster Aufruf

Einführung · 7 Abschnitte · ~7 Min Lesezeit · Stand

Warum es MCP gibt

Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, mit dem KI-Anwendungen an externe Tools und Datenquellen andocken. Ohne einen gemeinsamen Standard baut jede KI-App für jedes Tool einen eigenen Adapter. Bei N Apps und M Tools sind das N × M paarweise Integrationen — jede einzeln zu bauen, zu testen und zu pflegen. Das ist das M×N-Integrationsproblem.

  1. Ausgangslage: 3 KI-Apps und 4 Tools
  2. Ohne Standard: jede App baut jeden Adapter selbst → 3 × 4 = 12 paarweise Integrationen
  3. Mit MCP: jede App spricht einen Client, jedes Tool bietet einen Server
  4. Ergebnis: 3 + 4 = 7 Integrationsstellen statt 12

Die drei Rollen: Host, Client, Server

MCP folgt einer Client-Server-Architektur. Ein Host ist die KI-Anwendung (etwa eine Chat- oder IDE-App). Er erzeugt für jeden Server einen Client, und jeder Client hält eine dedizierte Verbindung zu genau einem Server. Verbindet sich der Host mit einem zweiten Server, erzeugt er einen zweiten Client. Die Rollen sind Verantwortungsgrenzen, keine Maschinen: Ein Prozess kann mehrere Clients halten.

HostDie KI-App. Besitzt Nutzerkontext, Modellzugang und die Freigabe-Policy. Koordiniert alle Clients.
ClientDer Baustein im Host, der eine dedizierte 1:1-Verbindung zu genau einem Server hält; über ihn besorgt der Host dessen Kontext und Fähigkeiten. Der Client ist die Komponente, nicht die Leitung selbst.
ServerDas Programm, das eine Fähigkeit bereitstellt. Bietet an, entscheidet aber nicht über Sichtbarkeit oder Ausführung.
HostPolicy + ConsentClienteine Server-VerbindungServerabgegrenzte Fähigkeitzugelassener KontextSession + TransportTool / ResourceDer Host integriert Antworten — Server erhalten nicht automatisch den Gesprächs- oder anderen Serverkontext.
Host, Client und Server als getrennte Rollen: Der Host hält Policy und Consent, jeder Client verbindet 1:1 zu einem Server, und ein Server erhält nicht automatisch den übrigen Gesprächs- oder Serverkontext.

Was ein Server anbietet: Tools, Resources, Prompts

Ein Server veröffentlicht seine Fähigkeiten über drei Primitives. Sie unterscheiden sich nicht am Datenfluss, sondern daran, wer die Interaktion steuert.

SERVER-INTERN · austauschbarBackendDB · Queue · interne IDsVERÖFFENTLICHTER VERTRAGTools + SchemasResources + URIsPrompts + WorkflowsHost-Policyanzeigen · freigeben
Ein Server bietet Tools, Resources und Prompts an; die veröffentlichte Fähigkeit ist eine schmale Grenze zum internen Backend.
ToolEine ausführbare Aktion mit Wirkung, etwa ein API-Aufruf oder eine Datenbankabfrage. Modellgetrieben: Das Modell kann sie basierend auf dem Kontext vorschlagen.
ResourceLesbarer Kontext, über eine URI adressierbar, etwa ein Dokument oder ein Statusbericht. Anwendungsgesteuert: Der Host entscheidet, wann und wie er ihn liest.
PromptEin benannter, wiederverwendbarer Workflow-Einstieg. Nutzergesteuert: Der Nutzer wählt ihn bewusst aus.

Der erste Aufruf, Schritt für Schritt

MCP ist ein zustandsbehaftetes Protokoll über JSON-RPC. Eine Verbindung beginnt immer mit derselben Reihenfolge: erst verbinden und Fähigkeiten aushandeln, dann entdecken, was der Server anbietet, dann gezielt aufrufen und das Ergebnis verarbeiten.

EINE VERBINDUNG · eigener ZustandinitializeCapabilitiesRequestscancel / closeKeine Verbindung übernimmt implizit Zustand einer anderen.
Jede Verbindung durchläuft dieselbe Reihenfolge: erst initialisieren und Capabilities aushandeln, dann Requests wie Discovery und Aufruf, bis die Verbindung geschlossen wird.
  1. Initialisierung: Client und Server handeln Protokollversion und Capabilities aus
  2. Discovery: der Client listet die angebotenen Fähigkeiten (z. B. `tools/list`)
  3. Aufruf: der Client ruft eine Fähigkeit gezielt auf (z. B. `tools/call`)
  4. Ergebnis: der Server antwortet, der Host verarbeitet die Antwort

Wer behält die Kontrolle

Weil Tools modellgetrieben sind, kann das Modell einen Aufruf vorschlagen, ohne dass ein Mensch ihn angestoßen hat. Deshalb legt MCP den Kontrollpunkt bewusst an den Host: Er entscheidet, was sichtbar wird, und er gibt die Ausführung frei — nach der Discovery und vor dem eigentlichen tools/call.

Typische Anfänger-Irrtümer

Drei Verwechslungen tauchen am häufigsten auf. Wer sie kennt, versteht MCP schon deutlich schärfer.

„Ein Tool, weil es Daten liefert.“Nicht der Datenfluss entscheidet, sondern die Interaktionsart. Lesbarer, adressierbarer Kontext ist eine Resource; ein Tool ist eine Aktion mit Wirkung.
„MCP ist ein Plugin-Store oder API-Key-Manager.“MCP ist ein Protokoll für den Kontextaustausch. Es verteilt keine Plugins und ersetzt keine Authentifizierung — Auth bleibt eine eigene Schicht.
„Ein Server ist immer ein Remote-Netzwerkdienst.“Lokale Server über den stdio-Transport sind völlig normal; sie laufen als Prozess auf derselben Maschine. „Server“ meint die Rolle, nicht einen entfernten Host.

Was gleich geprüft wird

Die folgenden Checks trainieren genau diese vier Achsen: wozu MCP passt (und wann nicht), wer welche Rolle und Kontrolle hat, welches Primitive ein Bedarf braucht, und wo im ersten Aufruf die Freigabe liegt. Es geht nicht um Auswendiglernen, sondern um die Zuordnung im konkreten Fall.

Gelesen ist nicht geprüft: Im Modul entscheidest du die Fälle selbst und siehst danach, wo dein Urteil trägt.

7 Checks starten →

Modul-Aufbau

EINFÜHRUNGMCP-Grundlagen: Protokoll, Rollen, erster Aufruf~7 Min
ADR-001MCP-PURPOSEeinstieg
ADR-002MCP-PURPOSEsolide
BUILD-003MISSION · MCP-ROLESeinstieg
ADR-004MCP-ROLESeinstieg
ADR-005MCP-PRIMITIVESeinstieg
ADR-006MCP-PRIMITIVESsolide
ADR-007MCP-LIFECYCLEeinstieg

Quellen

  1. 01modelcontextprotocol.io/docs/learn/architecture
  2. 02modelcontextprotocol.io/specification/2025-11-25/server/tools
  3. 03modelcontextprotocol.io/specification/2025-11-25/server/resources
  4. 04modelcontextprotocol.io/specification/2025-11-25/server/prompts
  5. 05modelcontextprotocol.io/specification/2025-11-25/basic/lifecycle
  6. 06modelcontextprotocol.io/specification/2025-11-25
  7. 07anthropic.com/news/model-context-protocol
  8. 08modelcontextprotocol.io/specification/2025-11-25/basic/index

Verfasst von Julian Zentgraf