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Topologie & Replikation: Sites, FSMO und GC

FSMO-Rollen und wann man sie überträgt statt sie zu seizen, Sites und Subnets für lokale Authentifizierung, Global-Catalog-Platzierung und AD-integrierte DNS-Replikation.

Topologie & Replikation: Sites, FSMO und Global Catalog

Einführung · 8 Abschnitte · ~8 Min Lesezeit · Stand

Die physische Sicht: Sites, DCs und Site-Links

Die logische AD-Struktur (Forest, Domäne, OU) sagt nichts darüber, wo die Domain Controller stehen und wie sie sich synchronisieren. Dafür gibt es die physische Topologie: Sites sind Gruppen gut angebundener Subnetze (typisch ein Standort), verbunden über Site-Links, die die WAN-Strecken abbilden.

AD repliziert Multi-Master — jeder DC ist beschreibbar, Änderungen konvergieren zu allen anderen. Innerhalb einer Site repliziert AD fast sofort (Change Notification), zwischen Sites nach Zeitplan und Intervall, damit die WAN-Leitung nicht dauernd belastet wird. Welche Verbindungen dafür entstehen, plant AD selbst über den KCC (Knowledge Consistency Checker) und pro Site den ISTG (Inter-Site Topology Generator).

SITE: HQDC01DC02Intra-Site: schnellSite-LinkKosten · IntervallSITE: BRANCHDC03Multi-Master: jeder DC ist schreibbar; die KCC baut die Verbindungen, Site-Links steuern die Standort-Replikation.
Sites bündeln Subnetze; Site-Links verbinden sie über die WAN-Strecken. Der KCC baut automatisch die Verbindungsobjekte, der ISTG die Inter-Site-Verbindungen. Multi-Master: jeder DC ist beschreibbar, Konvergenz braucht über Standorte hinweg Zeit.

FSMO: fünf Rollen, die nicht Multi-Master sind

Einige Operationen vertragen keine parallelen Änderungen an verschiedenen DCs. Für sie gibt es FSMO-Rollen (Flexible Single Master Operations): fünf Sonderaufgaben, die zu jedem Zeitpunkt genau ein DC hält. Zwei sind forest-weit (einmal pro Forest), drei domänenweit (einmal pro Domäne).

**Schema Master** (forest-weit)einziger DC, der das Schema ändern darf. Nötig bei Schema-Erweiterungen, z. B. adprep /forestprep vor einer App-Installation.
**Domain Naming Master** (forest-weit)kontrolliert das Hinzufügen/Entfernen von Domänen und Anwendungspartitionen im Forest.
**RID Master** (domänenweit)vergibt RID-Pools an die DCs, damit jeder eindeutige SIDs für neue Objekte bilden kann.
**PDC-Emulator** (domänenweit)Passwort-Sonderpfad, autoritative Zeitquelle, Account-Lockout, Standardziel fürs GPO-Editing. Kein „Master“.
**Infrastructure Master** (domänenweit)aktualisiert domänenübergreifende Objektverweise. In Multi-Domain-Forests nicht auf einen GC legen (außer alle DCs sind GC).

Transfer vs. Seize: die riskanteste Ops-Entscheidung

FSMO-Rollen haben kein automatisches Failover. Fällt der Inhaber aus, musst du entscheiden, wie die Rolle woanders hinkommt:

  • Transfer (geordnet): der aktuelle Inhaber lebt und übergibt die Rolle sauber. Der Normalfall — etwa vor einer geplanten Außerbetriebnahme.
  • Seize (erzwungen): der Inhaber ist dauerhaft weg und kommt nicht zurück. Die Rolle wird einem gesunden DC zugewiesen, ohne dass der alte zustimmt.

Sites & Subnets: Authentifizierung lokal halten

Clients finden ihren DC nicht über eine feste Adresse, sondern über den DC-Locator: Sie fragen DNS nach passenden SRV-Records. Damit ein Client den DC in seiner eigenen Site bekommt (statt irgendeinen über die WAN-Leitung), muss AD sein Subnet kennen und einer Site zuordnen.

Fehlt die Subnet-zu-Site-Zuordnung, ist der Client „ohne Site“: Der DC-Locator kann keine Lokalität herstellen, und Anmeldung, GPO-Verarbeitung und DFS laufen womöglich quer über die WAN-Strecke an einen entfernten DC — langsam und fragil.

Global Catalog & Universal-Group-Caching

Der Global Catalog (GC) ist ein DC, der zusätzlich eine partielle Kopie aller Objekte des gesamten Forests hält. Beim interaktiven Logon werden die Universal-Group-Mitgliedschaften eines Nutzers ermittelt — und die kann nur der GC forest-weit auflösen. Ist an einem Standort kein GC erreichbar, kann eine Anmeldung scheitern.

Für kleine Zweigstellen an dünnen/unzuverlässigen Leitungen gibt es die leichtgewichtige Alternative UGMC (Universal Group Membership Caching): pro Site aktivierbar, cacht der lokale DC die Universal-Group-Mitgliedschaften nach dem ersten Logon und frischt sie standardmäßig alle 8 Stunden gegen einen GC auf. So funktionieren Anmeldungen auch bei WAN-Ausfall — ohne die volle GC-Replikation über die Leitung zu ziehen.

Replikationstopologie tunen — ohne den KCC zu umgehen

Die Inter-Site-Replikation steuerst du über drei Site-Link-Parameter: Kosten (der KCC bevorzugt den günstigsten Pfad, wenn mehrere Wege existieren), Intervall (wie oft repliziert wird — Standard 180 Minuten, Minimum 15) und Zeitplan (in welchen Fenstern überhaupt). Der KCC baut daraus automatisch die Verbindungsobjekte.

Zu langsame Konvergenz? Intervall senken und Zeitplan öffnen. Falscher Pfad? Kosten korrigieren. Was du nicht dauerhaft tust: von Hand feste Verbindungsobjekte bauen — die pflegt der KCC nicht mit, sie veralten bei jeder Topologieänderung. Und erzwungene Sofort-Replikation überall sättigt genau die schwachen Leitungen, die das Intervall schützen soll.

AD-integrierte DNS: Zonenreplikation & Scavenging

AD-integrierte DNS-Zonen liegen in der Verzeichnisdatenbank und replizieren mit AD selbst (in Anwendungspartitionen, domänen- oder forest-weit). Jeder DC/DNS-Server hat dieselbe Zone — eine Änderung an einer Stelle verteilt sich über die AD-Replikation an alle.

Clients registrieren ihre Records dynamisch. Verschwinden Geräte ohne Abmeldung, bleiben veraltete Records liegen und zeigen auf falsche IPs. Dagegen hilft Aging/Scavenging: Records bekommen Zeitstempel; nach No-Refresh- + Refresh-Intervall (Standard je 7 Tage, zusammen ~14 Tage ohne Auffrischung) gelten sie als veraltet und werden entfernt.

Zusammenfassung — gleich im Check

Du kennst jetzt die Achsen dieses Moduls: die fünf FSMO-Rollen und ihre Zuständigkeit, Transfer vs. Seize, Sites & Subnets für Auth-Lokalität, GC-Platzierung vs. UGMC, das Tunen der Replikation über Site-Link-Parameter und AD-integrierte DNS mit Aging/Scavenging.

Gelesen ist nicht geprüft: Im Modul entscheidest du die Fälle selbst und siehst danach, wo dein Urteil trägt.

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Modul-Aufbau

EINFÜHRUNGTopologie & Replikation: Sites, FSMO und Global Catalog~8 Min
ADR-001FSMOsolide
ADR-002FSMOsenior
ADR-003SITESsolide
ADR-004GCsenior
ADR-005SITE-LINKsenior
ADR-006DNS-SCAVENGINGsenior
FLOW-007MISSION · FSMO-KRISENPLANprincipal

Quellen

  1. 01Microsoft Learn — Operations master roles (FSMO)
  2. 02Microsoft Learn — Transfer or seize FSMO roles in AD DS
  3. 03Microsoft Learn — Sites, subnets, and the DC Locator process
  4. 04Microsoft Learn — Planning Global Catalog Server Placement (Universal Group Membership Caching)
  5. 05Microsoft Learn — Active Directory Replication Concepts (KCC, ISTG, site links)
  6. 06Microsoft Learn — DNS aging and scavenging (No-refresh/Refresh interval, Scavenging Servers)
  7. 07Microsoft Learn — Operations master roles (Schema Master)
  8. 08Microsoft Learn — Adprep and schema updates (forestprep runs against the Schema Master)
  9. 09Microsoft Learn — Clean up server metadata after a failed DC / seize
  10. 10Microsoft Learn — Sites, subnets and the DC Locator process
  11. 11Microsoft Learn — Managing sites and subnets in Active Directory
  12. 12Microsoft Learn — Configure Universal Group Membership Caching in Active Directory
  13. 13Microsoft Learn — Active Directory replication concepts
  14. 14Microsoft Learn — Design and configure Active Directory sites
  15. 15Microsoft Learn — Aging and scavenging in Windows DNS
  16. 16Microsoft Learn — Active Directory-integrated DNS zones
  17. 17learn.microsoft.com/en-us/troubleshoot/windows…aster-roles-in-ad-ds
  18. 18learn.microsoft.com/en-us/windows-server/ident…ge/manage-fsmo-roles
  19. 19learn.microsoft.com/en-us/windows-server/ident…-ds-metadata-cleanup

Verfasst von Julian Zentgraf