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Migration: Dateien wandern, Zustände hängen an ihnen
Eine Abteilung zieht von einem Netzlaufwerk nach SharePoint um. Der Lauf meldet Erfolg, alle Dateien sind da — und in der zweiten Woche sehen Personen Dokumente, die sie vorher nicht sehen konnten. Die Einstellung zum Migrieren von Berechtigungen war eingeschaltet und hat getan, was sie tut: Standardmäßig wandern nur Ordnerberechtigungen mit, Dateiberechtigungen nicht, und die Zieldateien erben vom Ordner. In diesem Modul lernst du, welche Zustände an Dateien hängen und welche gar nicht mitwandern. Du lernst die genaue Regel, nach der ein Abgleich Dateien überspringt, warum eine reine Berechtigungsänderung in der Quelle dabei unsichtbar bleibt, warum die Wahl der Bibliothek statt eines Ordners als Ziel die Rechte des Stammordners kostet — und warum das Ziel einer Aufgabe nach der Erstmigration nicht mehr geändert werden kann.
Lehrtext · 12 Abschnitte · zuletzt geprüft: 2026-09-12
Die Dateien sind da, die Rechte nicht
Eine Fachabteilung zieht von einem Netzlaufwerk nach SharePoint um. Der Lauf meldet Erfolg, alle Dateien sind am Ziel. In der zweiten Woche kommen die Meldungen: Personen sehen Dokumente, die sie vorher nicht sehen konnten. Die Einstellung zum Migrieren von Berechtigungen war eingeschaltet.
Sie war eingeschaltet und hat getan, was sie tut. Standardmäßig überträgt Migration Manager laut Dokumentation die Ordnerberechtigungen; Dateiberechtigungen werden nicht übertragen, und die Dateien am Ziel erben die Berechtigungen des übergeordneten Ordners. Wer auf einem Netzlaufwerk mit abweichenden Rechten auf einzelnen Dateien gearbeitet hat, verliert diese Abweichung genau dort, wo sie gemeint war.
Abgleich (Delta Sync) — Jeder Lauf einer Migrationsaufgabe nach dem ersten. Der erste Lauf heißt Erstmigration; danach kann das Ziel nicht mehr geändert werden. Der Abgleich überträgt standardmäßig nur, was neu oder geändert ist — und was das heißt, entscheidet eine Regel über Pfad und Änderungszeit.
Was mitwandert und woran es hängt
Der Satz, aus dem sich fast alles Weitere ableitet, steht in der Dokumentation gleich zu Beginn: Berechtigungen werden zusammen mit den Dateien übertragen. Sie sind kein eigener Gegenstand der Migration, sondern ein Anhängsel an einem Dateitransfer.
- Erstmigration
- Alle Berechtigungen werden übertragen.
- Abgleich
- Berechtigungen werden nur dann übertragen, wenn die zugehörige Datei in diesem Lauf mitgeht.
- Ordnerberechtigungen
- Werden standardmäßig übertragen.
- Dateiberechtigungen
- Werden standardmäßig nicht übertragen; die Zieldateien erben vom übergeordneten Ordner. Die Übertragung lässt sich in den Projekteinstellungen einschalten.
Die letzte Zeile ist der Fall aus dem Einstiegsabsatz. Sie ist eine bewusste Voreinstellung mit einem benannten Preis: Die Dokumentation hält fest, dass das Migrieren von Dateiberechtigungen den Vorgang verlangsamen kann. Wer sie einschaltet, kauft Genauigkeit mit Laufzeit — und wer sie nicht einschaltet, bekommt eine Ablage, deren Rechtestruktur gröber ist als die Quelle.
Identitätszuordnung steht vor allem anderen
Berechtigungen sind Aussagen über Identitäten. Eine Migration kann sie nur übertragen, wenn sie weiß, welche Identität in der Quelle welcher im Ziel entspricht — und diese Zuordnung ist ein eigener, vorgelagerter Vorgang.
Die Dokumentation ist an dieser Stelle ungewöhnlich deutlich: Die Zuordnung muss vor jeder Migration abgeschlossen sein. Sind die Identitäten vorher nicht sauber eingerichtet, kann das dazu führen, dass Nutzer den Zugriff auf Inhalte verlieren — und dass Angaben am Ziel falsch sind. Beides fällt erst nach dem Lauf auf, und beides betrifft dann bereits übertragene Inhalte.
- Die Rollen der Quelle werden auf Zielrollen abgebildet — etwa
OwneraufOwner,EditoraufCan edit,VieweraufCan view. - Für Gruppen aus einer Quelle empfiehlt die Dokumentation, im Ziel eine Microsoft-365-Gruppe mit derselben Mitgliedschaft anzulegen und die Quellgruppe darauf abzubilden.
- Für mindestens eine Quelle —
Egnyte— wird eine Gruppenzuordnung laut Dokumentation nicht unterstützt; Gruppenberechtigungen wandern dort nicht mit.
Zwischenstand
Kurzcheck
Nach einer Migration mit Standardeinstellungen stellt sich heraus, dass einzelne Dateien in der Quelle abweichende, engere Berechtigungen hatten. Wie sieht es am Ziel aus?
- Die Dateien erben die Berechtigungen ihres Ordners — die Abweichung ist verloren.
- Die abweichenden Berechtigungen wurden übertragen, wirken aber erst nach dem nächsten Abgleich.
- Die Dateien haben am Ziel gar keine Berechtigungen und sind nur für Administratoren sichtbar.
Treffer. Richtig. Standardmäßig werden Ordnerberechtigungen übertragen und Dateiberechtigungen nicht; die Zieldateien erben vom übergeordneten Ordner.
Die Regel, nach der übersprungen wird
Im Standardmodus überträgt ein Abgleich nur, was neu oder geändert ist. Wann genau eine Datei übersprungen wird, ist eng definiert — und die Definition hat eine Kehrseite, die man kennen muss.
- Übersprungen wird nur, wenn
- der vollständige Zielpfad einschließlich Dateiname unverändert ist und die letzte Änderungszeit am Ziel neuer ist als in der Quelle.
- Nicht übertragen wird außerdem
- eine Datei, die sowohl in der Quelle als auch am Ziel geändert wurde, wenn die Änderungszeit am Ziel die neuere ist.
Die zweite Zeile ist der Fall, der im Koexistenzbetrieb entsteht: Wird an beiden Orten gearbeitet, gewinnt beim Abgleich nicht die fachlich richtige Fassung, sondern die mit dem jüngeren Zeitstempel am Ziel. Eine Änderung in der Quelle kann dadurch stillschweigend liegen bleiben — ohne Fehler, ohne Hinweis, ohne Konflikthinweis.
Die Berechtigungsfalle im Abgleich
Aus den beiden vorigen Abschnitten zusammen folgt der unangenehmste Befund dieses Moduls, und die Dokumentation schreibt ihn ausdrücklich hin.
Berechtigungen wandern nur mit einer Datei. Ändert jemand in der Quelle nur die Berechtigung einer Datei, bleibt deren letzte Änderungszeit unverändert — die Datei gilt damit als unverändert und wird im Standardmodus nicht übertragen. Die Berechtigungsänderung kommt am Ziel nicht an.
- Das betrifft genau die Änderungen, die man während einer laufenden Migration am ehesten macht: jemandem etwas entziehen oder freigeben.
- Es gibt dafür keinen eigenen Berechtigungsabgleich; die einzige dokumentierte Abhilfe ist der Wechsel in den Modus, der alle Dateien erneut überträgt.
- Dieser Modus dauert deutlich länger — man bezahlt eine Berechtigungsänderung mit einem vollständigen Neudurchlauf.
Was der Umzug an Werkzeug verlangt
Migration Manager liegt im SharePoint Admin Center und arbeitet mit Agenten: leichtgewichtigen Diensten auf Rechnern oder virtuellen Maschinen, die sich sowohl am Ziel in Microsoft 365 als auch an der lokalen Quelle authentifizieren. Aufgaben werden automatisch dem nächsten freien Agenten einer Gruppe zugewiesen.
- Quellen
- Dateifreigaben sowie Inhalte von anderen Anbietern — genannt werden
Google Workspace,Box,DropboxundEgnyte. - Ziele
- SharePoint-Site, OneDrive-Konto oder Teams-Site; für viele Nutzer auch über eine hochgeladene CSV-Datei.
- Rechte am Ziel
- Globaler Administrator oder OneDrive/SharePoint-Administrator im Zieltenant.
- Rechte an der Quelle
- Windows-Anmeldeinformationen mit Lesezugriff auf die zu migrierenden Freigaben.
- Voraussetzung Dateifreigabe
- Der Server der Quelle muss
SMB 2.0oder höher unterstützen. - Größe
- Unterstützt werden Dateien bis
250GB für Migrationen von Dateifreigaben nach Microsoft 365.
Für die Vorbereitung liefert das Werkzeug Vorabprüfungen und Ausschlussregeln für Dateien. Beides gehört vor den ersten produktiven Lauf: Die Vorabprüfung findet genau die Fälle, die später einzeln nachgearbeitet werden müssten — insbesondere Namen, die die Zielplattform nicht annimmt.
Was die Zielplattform nicht annimmt
Unabhängig vom Werkzeug gelten am Ziel die Namensregeln von SharePoint und OneDrive. Sie stammen aus derselben Quelle wie die Regeln für den Synchronisierungsclient — und in einer gewachsenen Netzlaufwerksablage verstößt regelmäßig ein erheblicher Teil des Bestands dagegen.
- Unzulässige Zeichen in Datei- und Ordnernamen:
"*:<>?/\|. - Führende und abschließende Leerzeichen sind nicht zulässig.
- Reservierte Namen wie
.lock,CON,PRN,AUX,NUL,COM0bisCOM9,LPT0bisLPT9,desktop.inisowie jeder Name, der mit~$beginnt. _vti_ist an keiner Stelle eines Namens zulässig.
Zur Pfadlänge macht die Dokumentation bewusst keine einzelne Zusage: Verschiedene Anwendungen und Office-Versionen haben unterschiedliche Grenzen, und deren Kombination kann je Umgebung eigen sein. Für eine Migration heißt das, die Pfadlänge als Risiko zu behandeln und in der Zielumgebung zu messen, statt sich auf eine Zahl zu verlassen.
Koexistenz ist eine Regel, keine Phase
Zwischen dem ersten Lauf und dem Schnitt existieren die Inhalte an zwei Orten. Wie diese Zeit gestaltet wird, ist keine organisatorische Feinheit, sondern die Entscheidung darüber, wessen Änderungen im Konfliktfall verworfen werden — denn eine Entscheidung trifft die Abgleichlogik ohnehin, anhand von Zeitstempeln.
- Quelle bleibt führend, Ziel nur lesend
- Die sicherste Form. Jeder Abgleich überträgt die Quelle, und am Ziel kann nichts entstehen, das er überschreiben müsste. Die Nutzer arbeiten bis zum Schnitt wie bisher.
- Ziel wird führend, Quelle schreibgeschützt
- Die Form für den Schnitt selbst. Nach dem letzten Abgleich kann in der Quelle nichts Neues mehr entstehen, das verloren gehen könnte.
- Beide Orte beschreibbar
- Die riskanteste Form. Bei gleichzeitiger Änderung gewinnt die jüngere Änderungszeit am Ziel — eine Änderung in der Quelle bleibt dann liegen, ohne Meldung.
Die dritte Zeile ist in der Praxis der Normalfall, weil sie niemand beschließt: Sie entsteht, wenn das Ziel früh freigegeben wird, damit die Fachseite schon einmal hineinsehen kann. Aus dem Hineinsehen wird Arbeiten, und ab dann läuft die Übergangszeit unter einer Regel, die nie ausgesprochen wurde.
Die Entscheidung, die man nicht zurücknehmen kann
Eine Eigenschaft der Aufgabenstruktur verdient besondere Aufmerksamkeit, weil sie die einzige wirklich unumkehrbare in diesem Modul ist: Nach der Erstmigration kann das Ziel nicht mehr geändert werden.
Wer also feststellt, dass die Inhalte in der falschen Site, der falschen Bibliothek oder — der häufigste Fall — auf der falschen Ebene innerhalb der Bibliothek gelandet sind, korrigiert das nicht über die Aufgabe. Er legt eine neue an, überträgt erneut und räumt das erste Ergebnis weg. Bei großen Beständen ist das ein zweiter vollständiger Lauf.
- Deshalb gehört die Zielstruktur vor die Erstmigration und nicht in den Probelauf.
- Deshalb ist der Ordner im Ziel — statt der Bibliothek selbst — eine Entscheidung mit Folgen über die Berechtigungsfrage hinaus.
- Und deshalb lohnt ein kleiner, repräsentativer Erstlauf auf eine Teilmenge mehr als jede Planung auf dem Papier.
Durchgerechnet: ein Netzlaufwerk zieht um
Vom Bestand bis zum Schnitt
Szenario
Eine Abteilung zieht mit rund 400.000 Dateien von einer Dateifreigabe nach SharePoint um. Auf dem Laufwerk gibt es gewachsene Rechte, teils auf Ordner-, teils auf Dateiebene. Während der Übergangszeit soll weitergearbeitet werden.
Anforderungen
- Die Rechtestruktur soll am Ziel der Quelle entsprechen
- Während der Übergangszeit dürfen keine Änderungen verloren gehen
- Der Termin für den Schnitt soll belastbar sein
Schritte
- Zuerst die Identitätszuordnung abschließen. Sie muss laut Dokumentation vor jeder Migration stehen; sonst verlieren Nutzer Zugriff oder das Ziel trägt falsche Namen.
- Die Zielstruktur festlegen — und im Ziel einen Ordner anlegen statt die Bibliothek selbst als Ziel zu wählen, sonst wandern die Berechtigungen des Stammordners nicht mit. Nach der Erstmigration ist das Ziel nicht mehr änderbar.
- Die Dateiberechtigungen bewusst entscheiden: Standardmäßig wandern nur Ordnerberechtigungen. Für eine Ablage mit Rechten auf Dateiebene muss die Einstellung eingeschaltet werden — mit spürbarer Laufzeitfolge.
- Eine Vorabprüfung laufen lassen und die Zahl der Namensverstöße und langen Pfade erheben. Diese Zahl bestimmt den Nacharbeitsaufwand und damit den Termin.
- Einen Erstlauf auf eine repräsentative Teilmenge fahren und das Ergebnis an den Rechten prüfen, nicht nur an der Dateizahl.
- Für die Übergangszeit einen führenden Ort festlegen. Wird an beiden Orten gearbeitet, gewinnt beim Abgleich die jüngere Änderungszeit am Ziel — Änderungen in der Quelle bleiben dann still liegen.
- Einplanen, dass reine Berechtigungsänderungen in der Quelle vom Abgleich nicht erfasst werden. Wer sie übertragen muss, braucht einen vollständigen Überschreiblauf; wer das vermeiden will, friert Rechteänderungen für die Übergangszeit ein.
- Den Schnitt setzen, die Quelle schreibgeschützt stellen und einen letzten Abgleich fahren — danach ist die jüngere Änderungszeit am Ziel kein Risiko mehr.
Merksatz: Der Termin hängt nicht an der Dateizahl, sondern an drei Entscheidungen davor: Identitätszuordnung, Zielstruktur und der Frage, wo während der Übergangszeit gearbeitet wird. Alle drei sind vor dem ersten Lauf zu treffen, und eine davon ist danach nicht mehr korrigierbar.
Der Preis und die Route
Der Umzug selbst ist der beherrschbare Teil: Agenten skalieren, Aufgaben laufen parallel, Berichte zeigen den Fortschritt. Der Aufwand steckt in den Zuständen, die keine Dateien sind — Identitäten, Rechte auf Dateiebene, Namen, die die Zielplattform nicht annimmt. Sie alle verlangen Entscheidungen vor dem ersten Lauf, und keine davon zeigt sich in einer Fortschrittsanzeige.
Die Koexistenz ist dabei der Teil, der am ehesten unterschätzt wird. Zwei Orte, an denen gearbeitet werden darf, sind kein Komfort für die Übergangszeit, sondern eine Regel darüber, wessen Änderungen im Zweifel verworfen werden. Wer sie nicht ausspricht, hat sie trotzdem getroffen — die Abgleichlogik trifft sie dann anhand von Zeitstempeln.
Dazu kommt ein Ertrag, den man leicht übersieht: Eine Migration ist die einzige Gelegenheit, eine gewachsene Ablage zu bereinigen, bei der ohnehin jemand jedes Objekt anfasst. Die Vorabprüfung liefert die Liste der Namensverstöße, die Rechteerhebung die Liste der Sonderfälle — beides sind Bestandsaufnahmen, für die es sonst keinen Anlass gibt. Wer sie nur als Hindernis behandelt, bezahlt den Aufwand und nimmt den Nutzen nicht mit.
Damit sind die fünfzehn Fachmodule des Tracks beisammen. Das letzte Modul führt sie zusammen: ein Fall, der Gruppen, Berechtigungen, Freigabe, Aufbewahrung und Untersuchung gleichzeitig berührt — so, wie es im Betrieb tatsächlich vorkommt.
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Diesen Stoff gibt es als Modul mit bewerteten Entscheidungs-Checks — dieselbe Einführung, danach die Übungen.
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