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Das Verhaltensmodell — wie Output entsteht

Tokenisierung, autoregressive Generierung, Sampling und Nichtdeterminismus, Kontextfenster und parametrisches Wissen — die Mechanik hinter jedem LLM-Output und die Entscheidungen, die daraus folgen.

Das Verhaltensmodell — wie LLM-Output tatsächlich entsteht

Einführung · 8 Abschnitte · ~7 Min Lesezeit · Stand

Warum das Verhaltensmodell?

Jeder LLM-Output entsteht mechanisch: das Modell zerlegt Text in Tokens und erzeugt die Antwort Token für Token, von links nach rechts. Fast jede „unerklärliche“ LLM-Macke folgt aus dieser Mechanik — nicht aus einem schlechten Prompt.

EingabeInstruktion + KontextModellWahrscheinlichkeitenAusgabeToken für TokenPrüfenKONTEXT LENKT, ABER GARANTIERT NICHTVerlässlichkeit entsteht aus passendem Kontext, Messung und einer Grenze nach der Ausgabe — nicht aus einer einzelnen Formulierung.
Ein Modell transformiert begrenzten Kontext in wahrscheinliche Tokens; Verlässlichkeit braucht deshalb eine prüfende Systemgrenze.

Wer die Mechanik kennt, trifft die richtige Entscheidung, statt stundenlang am Prompt zu drehen: Manche Probleme gehören in Code, manche brauchen andere Daten, manche sind schlicht eine Grenze, die kein Prompt überwindet.

Tokenisierung: Token ≠ Wort ≠ Zeichen

Das Modell liest weder rohen Text noch einzelne Zeichen, sondern Tokens — Wortstücke aus einem festen Vokabular (Subword-Verfahren wie BPE, Byte-Pair-Encoding). Ein Token ist mal ein ganzes Wort, mal eine Silbe, mal ein einzelnes Zeichen.

Erste Konsequenz: zeichen-exakte Operationen — Zeichen zählen, einen String umdrehen, auf exakt N Zeichen kürzen — liegen unter der Token-Ebene. Das Modell „sieht“ die einzelnen Zeichen innerhalb eines Tokens nicht zuverlässig. Solche Aufgaben gehören in Code, nicht in den Prompt.

Zweite Konsequenz: das Token-Budget ist keine Wortzahl. Weil die Vokabulare überwiegend auf englischem Text trainiert sind, zerfällt deutscher (und anderer nicht-englischer) Text in mehr Tokens pro Wort — Komposita, Umlaute und Flexion werden in kleinere Stücke gebrochen. Gleicher Inhalt, mehr Tokens.

Autoregression: Token für Token, ohne Zurück

Generierung ist autoregressiv: das Modell erzeugt ein Token, hängt es an die Eingabe an und sagt daraus das nächste voraus — bis ein Stop-Token fällt. Jedes Token bedingt sich auf alle vorherigen, und nichts wird zurückgenommen.

  1. Eingabe-Tokens
  2. Forward-Pass
  3. nächstes Token wählen
  4. Token anhängen
  5. wiederholen bis Stop

Daraus folgt zweierlei. Latenz skaliert mit der Output-Länge: jedes erzeugte Token ist ein eigener Forward-Pass. Und die Reihenfolge ist ein Korrektheitshebel: soll das Modell etwas schließen, muss die Überlegung vor dem Ergebnis stehen — ein Verdikt am Anfang kann nicht mehr auf eine danach generierte Begründung reagieren.

Sampling & Temperatur

Nach jedem Forward-Pass steht eine Wahrscheinlichkeitsverteilung über das nächste Token. Temperatur steuert, wie stark daraus zufällig gezogen wird: nahe 0 wählt das Modell fast immer das wahrscheinlichste Token (konsistent, wenig Varianz); höhere Werte erhöhen die Vielfalt — und das Risiko von Abwegen.

Extraktion, Klassifikation, strukturierte Ausgabeniedrige Temperatur (nahe 0)
Ideenfindung, Formulierungs-Varianten, Brainstorminghöhere Temperatur

Nichtdeterminismus — auch bei Temperatur 0

Temperatur 0 macht die Auswahl deterministisch (immer das wahrscheinlichste Token), aber bei den meisten heute gehosteten APIs ist die Ausgabe trotzdem nicht bit-genau reproduzierbar — weil Anbieter standardmäßig keine batch-invarianten Kernel einsetzen.

Grund: Fließkomma-Addition ist nicht assoziativ ((a + b) + ca + (b + c)), und in massiv parallelen GPU-Kernen hängt die Reihenfolge der Summierungen u. a. von der Batch-Zusammensetzung ab. Winzige Abweichungen in den Logits lassen bei knappen Fällen ein anderes Token gewinnen. (Prinzipiell ist das mit batch-invarianten Kernen behebbar — nur wird es an geteilten Backends selten garantiert.)

Nebenbei: ein seed-Parameter beeinflusst nur die Zufallsauswahl beim Sampling. Bei Temperatur 0 wird gar nicht gesampelt — ein Seed ändert daran nichts.

Das Kontextfenster: endliches, ungleich genutztes Budget

Alles, was das Modell pro Aufruf berücksichtigt — Systemprompt, Historie, hineingegebene Dokumente, die bisher erzeugte Antwort — teilt sich ein endliches Kontextfenster.

Voll ist nicht gut: Modelle nutzen Information am Anfang und Ende zuverlässiger als in der Mitte langer Kontexte — das Phänomen heißt „lost in the middle“. Und jedes zusätzliche Token kostet Latenz und Geld.

Parametrisches Wissen, Cutoff und Konfabulation

Was das Modell „weiß“, steckt in seinen Gewichten — gelernt aus Trainingsdaten bis zu einem Cutoff. Interne Daten (deine Systeme, Handbücher) und aktuelle Fakten (diese Woche) sind dort strukturell nicht enthalten. Kein größeres Modell und kein besserer Prompt ändern das; fehlende Fakten muss man zur Laufzeit bereitstellenGrounding über Retrieval oder Tool.

Kritisch: fehlt ein Fakt, schweigt das Modell nicht. Es hat keinen Mechanismus, Nichtwissen zu markieren, und füllt die Lücke mit statistisch plausiblem Text aus seinen Priors — Konfabulation. Über nie gesehene interne Daten ist eine flüssige, souveräne Antwort ein Warnsignal, kein Beleg für Wissen.

Gleich im Check

Du kennst jetzt die Mechanik hinter dem Output: Tokenisierung (Zeichen-Grenzen, Budget), Autoregression (Latenz, Reihenfolge), Sampling (Temperatur, Nichtdeterminismus), das Kontextfenster (lost in the middle) und parametrisches Wissen (Grounding-Bedarf, Konfabulation).

Gelesen ist nicht geprüft: Im Modul entscheidest du die Fälle selbst und siehst danach, wo dein Urteil trägt.

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Modul-Aufbau

EINFÜHRUNGDas Verhaltensmodell — wie LLM-Output tatsächlich entsteht~7 Min
ADR-001TOKENSsolide
ADR-002TOKENSeinstieg
ADR-003GENERATIONeinstieg
ADR-004GENERATIONsolide
ADR-005GENERATIONsolide
ADR-006CONTEXTsenior
ADR-007KNOWLEDGEeinstieg
ADR-008KNOWLEDGEsolide
BUILD-009MISSION · GENERATIONsolide

Quellen

  1. 01Sennrich, Haddow, Birch — Neural Machine Translation of Rare Words with Subword Units, ACL 2016 (BPE)
  2. 02Holtzman et al. — The Curious Case of Neural Text Degeneration, ICLR 2020 (Sampling/Temperatur)
  3. 03Goldberg — What Every Computer Scientist Should Know About Floating-Point Arithmetic, ACM Computing Surveys 1991
  4. 04Defeating Nondeterminism in LLM Inference — Thinking Machines Lab, 2025 (Batch-Invarianz)
  5. 05Wei et al. — Chain-of-Thought Prompting Elicits Reasoning in Large Language Models, NeurIPS 2022
  6. 06Liu et al. — Lost in the Middle: How Language Models Use Long Contexts, TACL 2023
  7. 07Lewis et al. — Retrieval-Augmented Generation for Knowledge-Intensive NLP Tasks, NeurIPS 2020
  8. 08Ji et al. — Survey of Hallucination in Natural Language Generation, ACM Computing Surveys 2023
  9. 09OpenAI — Byte-Pair-Encoding-Tokenizer (tiktoken), Dokumentation
  10. 10Petrov et al. — Language Model Tokenizers Introduce Unfairness Between Languages, NeurIPS 2023 (empirischer Sprachvergleich)
  11. 11Sennrich, Haddow, Birch — Neural Machine Translation of Rare Words with Subword Units, ACL 2016 (BPE-Mechanik)
  12. 12Holtzman et al. — The Curious Case of Neural Text Degeneration, ICLR 2020
  13. 13OpenAI API Reference — Parameter `temperature` (Sampling)
  14. 14Kojima et al. — Large Language Models are Zero-Shot Reasoners, NeurIPS 2022 (Reasoning vor Antwort)
  15. 15Shi et al. — Large Language Models Can Be Easily Distracted by Irrelevant Context, ICML 2023
  16. 16Gekhman et al. — Does Fine-Tuning LLMs on New Knowledge Encourage Hallucinations?, EMNLP 2024
  17. 17Language Models are Few-Shot Learners — Brown et al., 2020
  18. 18Lost in the Middle: How Language Models Use Long Contexts — Liu et al., 2023

Verfasst von Julian Zentgraf